Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

im Heft

12/2011

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Serie Seitenwechsler: Arne Stuhr

„Nicht für jeden geeignet“

Seit Juli 2010 gehört Arne Stuhr zum Team der Hamburger Kommunikationsagentur Faktenkontor. Im Interview erzählt er, dass nicht alle Klischees aber das Agenturgeschäft stimmen. Warum es hilft, mit journalistischem Blick an den Job heranzugehen. Und dass er bisweilen vor Themen warnt.

prmagazin: Herr Stuhr, arbeiten Sie jetzt immer bis zehn Uhr abends? Das ist doch in Agenturen so üblich.
Stuhr:
Ich weiß, so lautet das Klischee. Zumindest bei Faktenkontor stimmt es aber nicht. Klar, Dienstreisen und dann und wann Wochenendarbeit gehören auch bei diesem Job dazu, aber im Vergleich zur Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft bei Manager Magazin Online ist das doch alles etwas besser und familienfreundlicher planbar.

Woher wussten Sie, dass Sie nicht vom Regen in die Traufe kommen?
Ich habe mich mit meinen künftigen Kollegen getroffen und gefragt, wie die Gepflogenheiten in der Agentur aussehen. Ich wollte auch wissen, wie journalistisch da tatsächlich gearbeitet wird. Man kann sich zwar im Vorstellungsgespräch erklären lassen, dass Faktenkontor eine richtige, eigene Redaktion unterhält. Aber was genau die Kollegen dort machen, sieht man von außen nicht. So ein Kennenlernen kann ich jedem Wechsler raten.

Was ist anders als in einer journalistischen Redaktion?
In einer Redaktion, zumal wenn sie gemeinsam durch schlechte Zeiten gegangen ist, gibt es eine Art Corpsgeist: Wir gegen den Rest der Welt. Und der Einzelne hat oft auch eine starke emotionale Bindung an das Medium, für das er schreibt und das mit seinem Namen als Autor verbunden ist. In einer Agentur entsteht häufig eher eine enge Bindung zu einzelnen Kunden, mit denen man regelmäßig oder bei einem Projekt sehr intensiv zusammenarbeitet.

Vor allem sind Sie jetzt nicht mehr der Redakteur eines wichtigen Wirtschaftsmagazins, sondern Dienstleister. War das eine Umstellung?
Ich hatte damit kein großes Problem. Aber es stimmt schon: Wenn ich früher vom Manager Magazin aus in Unternehmen angerufen habe und den Vorstand sprechen wollte, hat man sich sehr um mich bemüht. Heute ist das umgekehrt, da muss ich mich ziemlich anstrengen, wenn ich jemanden sprechen will. Als Journalist darf man schon mal verbrannte Erde hinterlassen, das geht jetzt nicht mehr. Und wenn ich etwas Tolles schreibe, dann bekomme ich eben nicht mehr selbst den Beifall. Das PR-Geschäft, gerade in der Agentur, ist von daher sicher nicht für jeden Ex-Redakteur geeignet.

Jetzt müssen Sie auch Umsatz machen, für Neugeschäft sorgen, oder?
Wie jeder Mitarbeiter bei Faktenkontor bekomme ich eine Prämie, wenn ich einen neuen Kunden akquiriere. Aber mein Gehalt ist nicht an irgendwelche Vertriebsziele gekoppelt. Dann hätte ich den Job übrigens auch nicht angenommen.

Wie sahen Ihre ersten Tage in der Agentur aus?
Ich habe mit kleineren Sachen angefangen, hier und da einen Text redigiert, Pressemitteilungen geschrieben. Bei Pitches war ich anfangs nicht dabei, inzwischen arbeite ich genauso wie die Kollegen an Präsentationen mit und stelle mich potentiellen Kunden vor. Nach ein paar Tagen hatte ich schon meine ersten Beratungsjobs.

PR-Beratung ist ein ganz anderer Job als Journalismus. Mussten Sie da umlernen?
Faktenkontor wollte ja gerade einen Journalisten haben, der die Perspektive der anderen Seite mitbringt. Wenn ich berate, dann versuche ich also herauszufinden, welche Themen sich aus dem Geschäft des Kunden ergeben könnten, und ich helfe, diese Geschichten journalistisch zuzuspitzen. Fast noch wichtiger: Ich bin dazu da, vor gefährlichen Themen zu warnen. Das funktioniert meistens.

Wann denn nicht?
Na ja, wenn ich den Kunden partout nicht überzeugen kann, hat dieser natürlich das letzte Wort. Damit muss man umgehen können.


Die ganze Geschichte über Seitenwechsler Arne Stuhr lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des prmagazins.

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