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Boris Glatthaar

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BVEG

"Oft fehlt das Vertrauen"


Christoph Löwer: „Unser Anspruch ist es, offen und transparent mit den verschiedenen Anliegen umzugehen, auch wenn dabei nicht alle Gemüter beruhigt werden können.“


Fracking ist nur eins der emotional aufgeladenen Themen, mit denen der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) konfrontiert ist. Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands, über verdrehte Fakten, polemische Angriffe – und das Bemühen des Verbands, die angstbestimmte Debatte zu versachlichen.


prmagazin: Anfang dieses Jahres meldeten die Medien, dass am Neujahrsmorgen erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland der komplette Energiebedarf aus regenerativen Energiequellen gedeckt wurde. Eine schlechte Nachricht für einen Verband, der für fossile Energieträger steht?

Christoph Löwer: Nein. Zum einen weil sich diese Meldung nur auf den Stromverbrauch, nicht aber auf den gesamten Energieverbrauch bezieht. Energie ist wesentlich mehr als Strom, und Deutschland braucht Erdgas und Erdöl nach wie vor. Erdöl deckt etwa 35 Prozent unseres Primärenergiebedarfs. Denken Sie beispielsweise an den Verkehrssektor. Oder an die Beheizung von Wohnungen. Die Hälfte der deutschen Haushalte nutzt Erdgas als Heizenergie. Auch diese Energieträger standen am Neujahrsmorgen zuverlässig zur Verfügung – nicht zuletzt Dank der heimischen Produktion.

Und zum anderen?

Zum anderen werden Erdgas und Erdöl nicht nur für die Erzeugung von Energie, sondern auch als Rohstoff in der Industrie verwendet. In jedem Handy, in jedem Windrad und in vielen Zukunftstechnologien stecken Erdöl und Erdgas.

Hat sich die öffentliche Diskussion um die Energiewende verändert?

Für uns als Branchenverband hat sich daran eigentlich wenig verändert. Die mit der Energiewende verbundenen klimapolitischen Ziele sind klar. Wir diskutieren intensiv, unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen diese erreicht werden können. Dabei tragen wir die Energiewende mit. Wir sind ein Teil davon, denn Erdgas wird für eine flexible Wärme- und Stromversorgung noch lange eine wichtige Rolle spielen. Als klimafreundlichster fossiler Energieträger hat Erdgas ein enormes CO2-Einsparpotenzial. Mit der Produktion in Deutschland entfallen darüber hinaus die Transportemissionen. Die kommunikative Herausforderung besteht darin, die oft polemisch geführten Diskussionen über die Techniken der heimischen Förderung zu versachlichen.

Polemik? Welche Polemik?

Durch den unsachlichen Vergleich unserer Aktivitäten mit Produktionsverfahren in anderen Ländern werden Ängste geschürt. Diese Vergleiche halten aber den Fakten nicht stand. Nehmen wir die Debatte um Fracking. Es wird behauptet, dies sei etwas Neues, Unbekanntes, Bedrohliches.

Was halten Sie den Kritikern entgegen?

In Deutschland wird seit mehr als 150 Jahren Erdöl und seit über 60 Jahren Erdgas produziert. Dabei kommt seit den 1960er Jahren auch Fracking in Deutschland zum Einsatz. Das Verfahren wurde hier mehr als 300-mal sicher und umweltverträglich durchgeführt. Heute kommt rund ein Drittel der heimischen Erdgasproduktion aus gefracten Bohrungen. Das ist für uns kein Neuland. Wir haben jahrzehntelange Erfahrungen damit und arbeiten verantwortungsvoll unter weltweit höchsten Umweltschutz- und Sicherheitsvorschriften. Umweltschutzverbände behaupten das Gegenteil.

Wie gehen Sie damit um?

Wir liefern die Fakten. Wir und unsere Mitgliedsunternehmen haben uns zur Transparenz verpflichtet. Das bedeutet für uns, offen zu informieren, auf die Menschen in unserem Umfeld und ihre verschiedenen Anliegen einzugehen.

Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Beispielsweise bringen wir uns als Verband auch in lokale Debatten ein. Wir wollen damit deutlich machen, dass unsere Industrie nach gesellschaftlich tragfähigen Lösungen sucht. Kommunikation und die Beteiligung der Öffentlichkeit verstehen wir als ernsthaften Dialog auf Augenhöhe. Dabei erwarten wir, dass wir ebenfalls respektvoll und fair behandelt werden.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Ich war vor einiger Zeit bei einer Bürgerversammlung. Neben einem Unternehmensvertreter war auch ein Vertreter der Genehmigungsbehörde dabei. So konnten alle Fragen rund um die Branche, das Projekt und dessen behördliche Zulassung diskutiert werden. Das lief sehr lebhaft ab. Nicht jede Äußerung war sachlich, aber das müssen wir aushalten und mit Fakten überzeugen. Für die Bürger vor Ort ist das eine wichtige Möglichkeit zur Meinungsbildung.

Wenn Sie sagen, Sie gehen in die Region, auf die lokale Ebene, klingt das nach Frontkampf ...

Kriegsrhetorik ist dafür sicher nicht angebracht. Die Menschen vor Ort haben Fragen und Sorgen. Diese nehmen wir ernst und stellen uns ihnen im Dialog. Unser Anspruch ist es, offen und transparent mit den verschiedenen Anliegen umzugehen, auch wenn dabei nicht alle Gemüter beruhigt und alle überzeugt werden können. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Das vollständige Interview lesen Sie in unserer April-Ausgabe.

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