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David Selbach

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Deutsche Lufthansa

"Ruhig ist es hier nie"

Andreas Bartels: „2017 war außergewöhnlich aufregend, aber 2018 wird garantiert nicht langweilig.“


Andreas Bartels hatte in den vergangenen Monaten gut zu tun: Nach der Pleite des Rivalen Air Berlin verteidigte der Lufthansa-Kommunikator den Kranich gegen den Vorwurf, die Preise in schwindelerregende Höhen zu treiben. Er begleitete die Diskussion um den Überbrückungskredit der Bundesregierung. Und kommunizierte nebenbei eine Firmenübernahme, die im letzten Moment platzte.


prmagazin: Herr Bartels, auch wenn Sie das in den vergangenen Wochen wahrscheinlich tausendmal erklärt haben: Warum wollte Lufthansa die Air-Berlin-Tochter Niki am Ende doch nicht kaufen?

Andreas Bartels: Die EU-Kommission hatte uns signalisiert: Selbst wenn wir auf alle Start- und Landerechte, die sogenannten Slots, verzichten, wird eine Übernahme in Brüssel als nicht genehmigungsfähig eingestuft. Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, Niki sofort weiterzuverkaufen. Aber das machte für uns natürlich keinen Sinn.

War das eine Niederlage für Ihr Unternehmen? 

Es ist vor allem schade für Niki, denn wir waren zu dem Zeitpunkt offenbar der einzige Bieter, der die Airline vollständig übernehmen wollte. Als das nicht zustande kam, musste auch Niki Insolvenz anmelden. Für uns bedeutet diese Entwicklung, dass unsere Zweitmarke Eurowings etwas langsamer wächst. Aber im Ergebnis wird Eurowings trotzdem stark expandieren.

Das klingt, als seien Sie ganz froh, dass der Kelch an Ihnen vorübergegangen ist. Hat die Lufthansa das Angebot nur gemacht, weil die Politik es wollte?

Wir hatten durchaus Interesse, weitere Teile von Air Berlin zu übernehmen. Daraus haben wir nie einen Hehl gemacht, sondern wir haben das, lange bevor die Insolvenz eintrat, sehr offen kommuniziert. Die Bundesregierung wollte vermeiden, dass hundertausende Urlauber mitten in der Feriensaison stranden und nicht mehr nach Hause kommen. Ohne den Kredit hätte sich eine unmittelbare Stilllegung der Flugzeuge wohl nicht vermeiden lassen.

Also haben Sie sozusagen Ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllt – dann hatten Sie trotzdem einen Grund, das Angebot zurückzuziehen. Ist doch aus Kommunikationssicht ganz gut gelaufen, oder?

Nachdem klar war, dass es für die Transaktion kein grünes Licht aus Brüssel geben würde, konnten wir das Angebot zum Erwerb nicht mehr aufrechterhalten. Den gebotenen Kaufpreis von knapp 200 Millionen Euro investieren wir jetzt in organisches Wachstum der Eurowings. Auch wenn der Marktaustritt von Air Berlin uns zweifellos stärken wird, ist das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich überzeichnet: Es ging bei Niki um gerade einmal 21 Flugzeuge. Mit der LG Walter haben wir 33 Flugzeuge für Eurowings übernehmen können. Insgesamt fliegen in der Lufthansa Gruppe bald 800 Flugzeuge. Die Einordnung der Dimensionen ist in der medialen Darstellung hin und wieder verloren gegangen.

Wie sehr beschäftigen Sie die Vorwürfe aus der Politik, die Lufthansa habe sich auf Kosten der Steuerzahler den 150 Millionen-Euro-Kredit unter den Nagel gerissen und halte nun ihren Teil der Abmachung nicht ein?

Nicht sehr. Wir haben mehrfach erklärt: Von den 150 Millionen Euro haben nicht wir profitiert, sondern die Bundesregierung hat dieses Geld investiert, um größeres Chaos zu verhindern und Urlaubern zu helfen. Mit Blick auf die Wirkung ist es genau umgekehrt: Hätte es den Kredit nicht gegeben, und der Flugverkehr wäre von einem Tag auf den anderen gestoppt worden, hätten wir sogar deutlich mehr profitiert als jetzt. Denn dann wären alle Slots über Nacht zurückgegangen an den Slot-Koordinator der Flughäfen, und wir hätten uns dann neu darum bewerben können. Dadurch wären wir ohne jeden Kaufpreis an mehr Slots gekommen, als wir jetzt übernehmen.

Wie viel zusätzliche Arbeit hat Air Berlin Ihnen in der Kommunikation gemacht?

In den vergangenen Wochen und Monaten sind die Verhandlungen rund um Air Berlin ganz klar unser dominierendes Thema gewesen. Seit der Insolvenz Mitte August hat das bis zu 60 Prozent meiner persönlichen Arbeitszeit in Anspruch genommen, besonders in der Zeit der Vertragsunterzeichnung. In der heißen Phase hat sich auch der Vorstand nahezu täglich mit dem Thema befasst. Als Teil des Management-Teams war ich da auch persönlich involviert. Mittlerweile ist es weniger geworden.

Nicht mal Weihnachten war Pause?

Nicht wirklich. Am 24. Dezember erschien ein großes Interview mit Lufthansa-CEO Carsten Spohr in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in Der Chef des Kartellamts Andreas Mundt warf der Lufthansa im Interview mit der Süddeutschen Zeitung indirekt vor, ihre neue Monopolstellung zu nutzen, um die Preise zu erhöhen. Wir haben immer betont: Wir haben unsere Preise nicht verändert. Die Nachfrage hat sich verändert. Weil mit der Air-Berlin-Pleite plötzlich 1,5 Millionen Sitze im Winterflugplan fehlten, haben mehr Menschen auch Tickets in höheren Buchungsklassen gekauft, weil die günstigen Klassen ausverkauft waren. Auch bei anderen Fluglinien oder bei der Bahn haben Reisende aufgrund der plötzlichen Angebotsverknappung teurere Produkte gekauft.

Herr Mundt ließ sich mit dem Satz zitieren: „Solche Algorithmen werden ja nicht vom lieben Gott geschrieben.“ Hat Sie das geärgert?

Meines Wissens haben wir nie behauptet, der liebe Gott würde Algorithmen schreiben. [...]


Dieser Text ist ein Auszug. Das komplette Interview mit Lufthansa-Kommunikationschef Andreas Bartels 
lesen Sie in unserer Februar-Ausgabe. 

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