Otto Group
„Sonst endet man wie Sigmar Gabriel“
Im Februar dieses Jahres wurde Thomas Voigt zum dritten Mal Vater. Im Sommer nahm der Kommunikationschef des Handelsriesen Otto zwei Monate Elternzeit. Anders als der omnipräsente SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gönnte sich der 52-Jährige eine echte Auszeit. Zumindest fast.

Thomas Voigt, Kommunikationschef der Otto Group
prmagazin: Elternzeit als Kommunikationschef eines globalen Unternehmens – geht das überhaupt?
Voigt: Mit guter Vorbereitung und dank der Unterstützung meiner Chefs, Kollegen und Teams geht das, ja. Es zeichnete sich schon im Frühjahr ab, dass der Sommer etwas weniger turbulent werden würde. Vorher, also direkt nach der Geburt meiner Tochter im Februar und auch jetzt im Herbst wäre es dagegen nicht möglich gewesen, zwei Monate Familienzeit zu nehmen. Es muss halt passen.
Von PR-Kollegen bei anderen Konzernen hört man, dass sie keine Elternzeit nehmen konnten oder durften. Normal ist das für männliche Führungskräfte wohl noch nicht.
Offensichtlich nicht. Ich war auch überrascht, welche Wellen das im Haus und extern auslöst. Viele, insbesondere Frauen, reagierten ausgesprochen positiv, andere zollten Respekt für den „Mut“, den man dafür wohl immer noch aufbringen muss, und wiederum andere signalisierten freundlich und meist indirekt, dass sich das wohl rächen werde. Eine Auszeit von zwei Monaten scheint unter der herkömmlichen Führungskräfte-Hybris absoluter und vor allem permanenter Unentbehrlichkeit offenbar ganz tiefe Sehnsüchte und Ängste auszulösen.
Der Kommunikations- und Medienmarkt pulsiert praktisch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ganz rausziehen konnten Sie sich sicher nicht.
Doch, das konnte ich weitgehend. Ich habe zwar die Medien- und Online-Berichterstattung über die Otto Group verfolgt, mich aber aus dem beruflichen Mail-Verkehr strikt herausgehalten. Das muss man einfach tun und sich auch selbst auf die Finger hauen, die da mailen wollen – ansonsten endet man wie Sigmar Gabriel in einer offenbar als Elternzeit getarnten Home-office-Phase.
Mal ehrlich: Wie oft hat Ihr Diensttelefon geklingelt?
Ganz selten. Meine Stellvertreterinnen Ulrike Abratis und Anja Schlumberger haben mit ihren Teams ganz hervorragende Arbeit geleistet. Im Notfall oder bei absoluter Präsenzpflicht wie zum Thema Hermes wäre ich allerdings greifbar und innerhalb von 24 Stunden am Arbeitsplatz gewesen.
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