Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock und Vera Mair am Tinkhof

Freie Journalisten

im Heft

7/2012

Roboter-Journalismus

„Um Journalisten kommt man nicht herum“

Eine Software aus den USA erfasst riesige Datenmengen und verwandelt sie in überraschend gut lesbare Texte. Stellt die Technologie die Grundprinzipien von PR und Journalismus infrage? Das wohl nicht, allerdings sollte man den Trend keinesfalls als bloße Mode abtun, sagt Michael Hess, Leiter des Instituts für Computerlinguistik an der Universität Zürich.

Michael Hess, Professor für Computerlinguistik an der Universität Zürich

prmagazin: Wo liegen die Möglichkeiten einer Software wie Narrative Science, die aus Daten automatisch Texte erstellt?
Hess: Man kann Narrative Science sicher gut gebrauchen für simple Zwecke wie die Auswertung von Börsenkursen oder Berichte über kleinere Sportveranstaltungen. Manche Journalisten wären ja auch froh, wenn sie sich mit solchen Sachen nicht mehr befassen und darüber nicht mehr schreiben müssten. Im Endeffekt werden so künftig immer mehr Gebrauchstexte produziert werden, vor allem solche, die drei Tage auf einer Website stehen und dann im Nirwana verschwinden.

Die Narrative-Science-Gründer behaupten, ihr Programm könne bald 90 Prozent der Inhalte einer Tageszeitung produzieren und den Pulitzer-Preis gewinnen.
Das ist sicherlich ehrlicher Enthusiasmus, aber letztlich absurd und lächerlich. Börsenberichte basieren auf Zahlen. Klar kann ein solcher Bericht auch als maschinell gestanzter Text entstehen und Verwendung finden. Politische Berichterstattung aber und vieles andere wird nie maschinell erzeugt werden können. Da kommt man um Journalisten nicht herum.

Der Roboter-Journalismus ist also allenfalls eine Ergänzung für recherchierende Menschen?
Genau. Allerdings nicht unbedingt eine nützliche. Denn die Systeme können in kürzester Zeit Gebrauchstexte erzeugen und so auch dazu beitragen, dass die Welt der Kommunikation mit noch mehr unnötigen Texten überflutet wird. So könnte ein regelrechter Rüstungswettkampf einsetzen, in dem von Computerprogrammen immer mehr sinnlose Texte produziert werden.

Und andere Computerprogramme müssen diesen sinnlosen Text dann für die Leser wieder herausfiltern.
Richtig. Dazu kommt, dass man an den Verfahren noch viel verbessern kann, auch was die sprachliche Raffinesse angeht. Andererseits sollte niemand davon ausgehen, dass Roboter-Journalismus bloß eine Mode ist, die wieder verschwindet. Die Zukunft dieser Technik dürfte vor allem in der Datenaufbereitung liegen. Bei anspruchsvolleren Texten wird dagegen der Mensch für die Endbearbeitung noch sehr lange unerlässlich sein.

 

Das Interview ist ein Auszug aus dem Artikel "Wir sind die Roboter". Den ganzen Text lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
Aufgetaucht:
Bernhard Kott setzt den Hidden Champion Symrise neu in Szene
Dialogbereit: Die Betreiber der Stromnetze betreten kommunikatives Neuland
Dinosaurier: Agenturriesen vernachlässigen die Selbstdarstellung in Social Media.

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