Detailinformationen

Autor

Britta Jansen

Redaktion

im Heft

7/2012

Corporate Publishing

„Unternehmen werden immer mutiger“

Ende Juni hat das Forum Corporate Publishing (FCP) seine BCP-Awards verliehen. Verbandspräsident Andreas Siefke über die Trends der Disziplin und den Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung.

Andreas Siefke, Verbandspräsident des Forum Corporate Publishing

prmagazin: Herr Siefke, gerade haben Sie die BCP Awards verliehen - was ist zurzeit der letzte Schrei im Corporate Publishing?
Siefke: Ein Trend sind die vielen Einreichungen aus dem Digitalbereich. Reine Printtitel gibt es kaum noch. Crossmedial und Social-Media-Anbindung sind die Stichwörter. Aber auch die Verbindung aus Content und Sales-Zielen wird unter den Schlagwörtern Editorial Shopping und Content Marketing intensiv diskutiert.

Wie mutig sind die Unternehmen mittlerweile?
Sie werden immer mutiger. Allerdings muss man nach Branchen unterscheiden. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. Avantgardismus ist ja kein Selbstzweck. Wenn man in andere Länder schaut, zeigt sich, das der CP-Markt etwa in Großbritannien insgesamt mutiger ist. Aber auch in Deutschland gibt es spannende Beispiele, die sich vom klassischen Corporate Design lösen. Ein gutes Beispiel ist Max Joseph, das Magazin der Bayerischen Staatsoper, das gerade "Lead Magazin des Jahres" geworden ist. Damit ist bei den Awards erstmals ein CP-Magazin ausgezeichnet worden. Für die Gattung ein toller Erfolg.

Konzerne wie VW, BMW und die Deutsche Bahn sind bekannt für ihre Mitarbeiter- und Kundentitel. Von kleineren Firmen und Mittelständlern hört man wenig. Wie kommt das?
Auch hier ist ein klarer Trend zur Professionalisierung zu erkennen. Bei kleineren Unternehmen fehlt es bisweilen aber noch an der personellen Ausstattung oder der Bereitschaft, in solche Konzepte zu investieren. Die Firmen verzichten dann schon mal auf Mitarbeitermedien, weil sie glauben, dass sie die Inhalte auch auf einer Betriebsversammlung verbreiten können.

Vor zwei Jahren haben Sie gefordert, die Corporate-Publisher müssten ihre Kompetenzen, gerade im Digitalen, besser kommunizieren. Sind sie noch immer die "Print-Onkel"?
Für Letzteres habe ich damals durchaus Schelte von einigen Kollegen bezogen. Aber wenn wir uns die Anfänge der Mediengattung Corporate Publishing ansehen, also die 90er Jahre, dann war Print damals die Dimension schlechthin. Print und CP, das gehörte zusammen. Aber das Digitale wird immer wichtiger und bietet viele Chancen, etwa über relevante Inhalte direkt zu verkaufen und diese durch Social Media schneller zu verbreiten.

Stichwort Digitalgeschäft: Blogs und Apps gehören in vielen Unternehmen mittlerweile zum Standardinstrument der Kommunikation. Welchen Stellenwert haben sie im Corporate Publishing?
Laut unserer neuen Basis-Studie ist der Markt für CP-Apps innerhalb von nur zwei Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf 100 Millionen Euro gewachsen. Aber eine Prognose für die nächsten fünf Jahre kann ich nicht abgeben. Denken Sie nur an den Hype um die VZ-Netzwerke und wo sie heute stehen. Beim Thema Apps ist die CP-Branche - wie die anderen Mediengattungen übrigens auch - in der Test- und Probierphase. Die Euphoriewelle ist abgeebbt, jetzt hat man erste Erfahrungen, etwa darüber, ob User wirklich App-Angebote nutzen. Man muss aber auch wissen, dass der Markt dafür in Deutschland nicht so groß ist. In Sachen Marktdurchdringung mit Tablets sind wir in Europa derzeit nicht mal unter den ersten zehn. Wir wissen aber aus unserer täglichen Arbeit, dass viele Unternehmen von Anfang an dabei sein wollen, auch um Lerneffekte zu erzielen. Und das ist auch zwingend notwendig.

Wie gut sind die CP-Dienstleister beim Thema Digitalgeschäft aufgestellt?
Mein Eindruck ist, dass die Kollegen das Digitalgeschäft längst nicht mehr als Bedrohung empfinden. Im Gegenteil: Die meisten haben das Potenzial schon früh erkannt und das, was produziert wird, ist sehr beeindruckend. Man muss sich einfach mit diesen Dingen auseinandersetzen. Gerade wenn es um Digitalprojekte geht, rüsten alle auf. Auch weil der Beratungsbedarf bei den Unternehmen - unseren Kunden - sehr groß ist.

Sind CP-Dienstleister, die an Medienhäuser angeschlossen sind, im Vorteil, wenn es um Trends wie Digitalisierung geht?
Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass Verlage per se einen Know-how-Vorsprung haben. Das hängt sehr von den einzelnen Medienhäusern ab. Lerneffekte aus der Kaufpresse, auch der digitalen, lassen sich zudem nur bedingt auf den CP-Markt übertragen, da dieser anderen Mechanismen unterliegt. Generell hängt das vielmehr vom Willen zur Innovation ab. Verlage wie Agenturen müssen experimentierfreudig und neugierig sein - und bleiben.

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