Detailinformationen

Autor

Daniel Neuen

Redakteur

im Heft

2/2013

Rocket Internet/Samwer-Brüder

„Wir sind angriffslustig“

Andreas Winiarski (34) ist der erste PR-Chef von Rocket Internet, der Start-up-Fabrik der umstrittenen Samwer-Brüder. Der frühere Sprecher des Verlags Axel Springer und Mitarbeiter der Bild-Chefredaktion erklärt, wie er das kritische Image der Rocket-Gründer verbessern will und wie Kommunikation zum Erfolg junger Firmen beitragen kann.

Andreas Winiarski ist PR Chef von Rocket Internet.

prmagazin: Ist Ihre Einstellung ein Zeichen dafür, dass Kommunikation bei Rocket Internet künftig einen höheren Stellenwert einnimmt?
Winiarski: Kommunikation war immer wichtig für Rocket und seine Ventures. Eine Marke wie Zalando baut man nicht durch Schweigen auf. Aber natürlich tut sich in der Unternehmenskommunikation nun wesentlich mehr. Zugleich darf man nicht vergessen, dass wir im Kern ein Venture-Capital-Unternehmen sind, das wie andere auch in der Regel zu Investitionsentscheidungen oder Investorenkreisen keine Auskunft gibt.

Was heißt, es tut sich mehr?
Der Schwerpunkt liegt auf der Arbeit für unsere Ventures. Rocket bietet Gründern neben Kapital ein großes Netzwerk und Experten aus allen relevanten Funktionsbereichen eines Unternehmens. Bei strategischer Kommunikationsberatung und PR gab es eine kontinuierliche Nachfrage, der Rocket nachgekommen ist.

Sie und Ihre Kollegen arbeiten also als eine Art Agentur für die einzelnen Rocket-Firmen?
Ja. Wenn ein Venture startet, entwickle ich die passende Kommunikationsstrategie. Um die operative Umsetzung kümmert sich zunächst jemand aus meinem Team. Dann entscheiden wir, ob die Firma einen PR-Profi einstellt oder eine Agentur beauftragt. Aber die Gründer sind nicht verpflichtet, mit uns zu arbeiten. Wir müssen sie mit unserer Leistung überzeugen.

Wie wichtig ist Kommunikation, um ein Start-up erfolgreich zu machen?
Sie können ein Start-up ohne systematische PR groß machen. Im Kern geht es immer um gute Geschäftsentwicklung. Kommunikation kann das jedoch sehr vereinfachen und beschleunigen. Junge Start-ups müssen noch mehr kommunizieren als ältere, denn sie brauchen meist schnell viel Aufmerksamkeit bei den relevanten Zielgruppen, um Geschäft zu generieren. Ältere brauchen eher Prozesse und Strukturen, um den Ansprüchen der wachsenden Zahl ihrer Stakeholder gerecht zu werden. Außerdem ist jedes Unternehmen eine Marke, die zielgruppengerecht aufgebaut und gepflegt werden muss.

Apropos Marke: Die Brüder Samwer, die Rocket Internet aufgebaut haben, sind sehr umstritten. Sie gelten als „Klon- und Tempobrüder“, die Geschäftsideen kopieren und rücksichtslos umsetzen. Wie gefährlich ist dieses Image für das Geschäft von Rocket Internet und seiner Ventures?
Zunächst gilt es festzuhalten, dass es das eine ist, eine Geschäftsidee zu haben, ihre schnelle und gekonnte Umsetzung das andere. Vorurteile dazu lassen sich schön einfach und schnell abschreiben und glauben. Da wir inzwischen in stetem Dialog mit den relevanten Tech-Journalisten stehen, ändert sich die einseitige Berichterstattung sukzessive. Wer genauer hinschaut, sieht, dass Rocket-Ventures ebenso wie andere Start-ups junge Menschen vereinen, die ihren Traum leben und Neues wagen.

Das Image der vermeintlichen „Klon- und Tempobrüder“ scheint sich aber in den Köpfen der Journalisten festgesetzt zu haben.
Ich glaube fest daran, dass jeder dazulernen kann und will. Wir stellen uns dieser Kritik selbstverständlich. Im direkten Dialog kann man Dinge ganz anders klarstellen, aber – und das will ich sehr deutlich sagen – auch reflektieren. Ich persönlich sehe die Kritik als Ansporn, noch mehr und deutlicher den eigentlichen Kern und Beitrag von Rocket Internet zu kommunizieren.

Rocket-Gründer Oliver Samwer soll sich selbst als „den aggressivsten Mann im Internet“ bezeichnet haben. Ist Aggressivität auch ein Kernmerkmal des Kommunikationsstils von Rocket Internet?
Sagen wir es so: Wir wollen alles sein außer lahm und irrelevant. Insofern kommunizieren wir ein Stück weit auch aggressiv, was nichts anderes heißt als angriffslustig: proaktiv, direkt, verständlich. Extern und intern.

Ein Beispiel bitte.
Ich habe bereits zwei Intranets umsetzen dürfen. Hier brauchte ein solches Projekt aber keine sechs bis zwölf Monate, wie ich es bislang kannte, sondern eine Woche.

Vor dem Hintergrund der Krise der Printmedien: Sind (US-)Technologieblogs wichtigere Ansprechpartner für Sie als deutsche Leitmedien?
Das wäre zu pauschal geurteilt. Angelsächsische Journalisten sind offener gegenüber Tech- und Start-up-Themen. Man schickt eine Nachricht auf Twitter und ist im Gespräch, meist wenig später auf der Seite oder im Blatt.

Warum geht das in Deutschland nicht so einfach?
Die redaktionellen Planungsprozesse sind komplizierter und langwieriger, und die Herangehensweise ist anders: Alle wollen über Groupon und Zalando schreiben. Über das heute noch kleine, aber vielleicht schon bald nächste Mega-Venture lange Zeit kaum jemand. Zum Glück ändert sich das gerade und das Interesse an Tech-Themen nimmt auch hier deutlich zu. Man hat endlich erkannt, wie erfolgreich deutsche Start-ups weltweit sind. Und es ist dann doch zu spannend, das kleine Wirtschaftswunder 2.0.


Die Februar-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
Die Resolute: Michaela Hessling ist beim Kupferriesen Aurubis fast allein unter Männern
Vertrauenskrise: Gegen das branchenweite Problem kämpft jede Bank auf eigene Faust

Möchten Sie das prmagazin testen? Bestellen Sie ein Probeabo.

Aktuelle Kommentare

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.