Detailinformationen

Autor

Daniel Neuen

Redakteur

im Heft

2/2011

Erste Bank

„Wir sind keine Fremdlinge“

In rund zehn Jahren kaufte die Erste Group Bank zwölf Institute in Mittel- und Osteuropa. PR-Chef Michael Mauritz über die kommunikativen Herausforderungen der Expansion.

prmagazin: Sie haben im Zuge der Expansion nach Zentral- und Osteuropa zwölf Banken in acht Ländern gekauft. In elf Instituten haben Sie die Kommunikationsabteilungen ausgetauscht. Wieso?
Mauritz: Wir haben bei unseren Übernahmen die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Verantwortlichen bereit waren, unsere Linie mitzugehen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Kommunikation auf völlig neue Beine zu stellen. Es fehlte schlicht das Vertrauen – auf beiden Seiten.

Warum ließ sich keine Basis für eine Zusammenarbeit aufbauen?
Wenn jemand zehn Jahre lang Kommunikation für eine verstaatlichte Bank macht, und nach der Übernahme kommt jemand aus Wien, um ihm die Welt neu zu erklären, wird es schwierig. Zumal auch persönliche und nationale Ressentiments hinzukamen.

prmagazin: Apropos: Wie heftig waren in den Ländern die Vorbehalte gegen Ihre Einkaufstour?
In jedem Land gibt es Aufregung, wenn die „bösen Ausländer“ kommen und sich in die heimische Wirtschaft einkaufen. Aber es gab auch andere Reaktionen, in Tschechien beispielsweise. Westliche Unternehmen werden auch als Modernisierer und Sicherheitsgaranten gesehen. Das hat uns sehr geholfen. Wir werden nicht als Fremdlinge betrachtet.

War die Österreichische Geschichte als K.u.K-Monarchie eine zusätzliche Last?
Im Gegenteil: Österreich hat in den meisten zentral- und osteuropäischen Ländern einen guten Ruf. Da hieß es dann: Besser die Österreicher als andere Nationen.

Wo mussten Sie die größten Ressentiments überwinden?
Wahrscheinlich in Ungarn, aus historischen Gründen.

Wie kommt man dagegen an?
Das unterscheidet sich nicht sehr von der Kommunikation im Privatleben. Wir haben versucht, die Leute davon zu überzeugen, dass wir es ehrlich meinen und dass es uns nicht darum geht, ihnen die Souveränität zu rauben. Wir haben aufgezeigt, dass die Mitgliedschaft in unserer Bankengruppe Vorteile bringt und dass man zusammen mehr erreichen kann als allein. Kleine Banken sind wegen der zahlreichen rechtlichen Beschränkungen kaum mehr lebensfähig.

Haben Sie sich die Märkte mit Agenturhilfe erschlossen?
Natürlich. Das waren unsere Augen und Ohren vor Ort. Teilweise haben wir völlig im Dunkeln agiert, und die Agenturen haben uns erklärt, wie der Markt funktioniert. Das ist das Wichtigste in der Kommunikation: Markt, Politik und Menschen zu verstehen, damit ich den Leuten auf Augenhöhe entgegentreten kann und nicht wie ein britischer Eroberer mit Glasperlenkiste komme.

Von der Kommunikation her betrachtet: Auf welchem Entwicklungsstand sind die zentral- und osteuropäischen Länder?
In allen Ländern hat es einen enormen Schub gegeben. Ausbildung, Ethik und Selbstverständnis der Journalisten sind auf internationalem Topniveau, zumindest im Wirtschaftsbereich. Und wir haben unsere neuen Leute alle in den Ländern rekrutiert. Dort sind gute PR-Profis auf dem Markt.


Die komplette Titelgeschichte über die Erste Group lesen Sie in der Februar-Ausgabe des prmagazins.

Aktuelle Kommentare

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.