Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

im Heft

8/2011



E.ON

„Wir suchen das Gespräch“

Guido Knott ist seit Mai 2010 Leiter Politik und Kommunikation des größten deutschen Energiekonzerns E.ON. Der 45-Jährige war zuvor drei Jahre lang Finanzvorstand bei E.ON Hanse in Quickborn, davor führte er Politik und Kommunikation von E.ON Energie. In der aufgeheizten Debatte um die Kernkraft setzte er von Anfang an auf Deeskalation.

Guido Knott: „Dass man in Eintracht zusammensaß und etwas ausgedealt hätte, wie es so schön hieß, hat nie gestimmt.“ (Foto: Jürgen Schulzki)

prmagazin: Ärgert es Sie, dass RWE-Chef Jürgen Großmann als sperriger, aber ehrlicher Macher beschrieben wird und E.ON-CEO Teyssen als glatter, eher profilloser Manager?
Knott:
Herr Teyssen muss sich mit niemandem vergleichen. Er handelt klug und kommuniziert entsprechend.

Das konnte man schon auf den Bilanzpressekonferenzen von RWE und E.ON sehen: Hier Großmann, der sich von einer Gruppe Atomkraftgegner provozieren ließ und über ihre Zwischenrufe hinweg stur weiterredete. Dort E.ON: keine Personenschützer zu sehen. Das Handelsblatt berichtete, dass Teyssen darauf vorbereitet war, eine Pause zu machen, sollten Störer auftauchen.
Ja, das stimmt. Natürlich haben wir uns angeguckt, wie das in anderen Hauptversammlungen gelaufen ist. Und RWE war natürlich das naheliegende Beispiel, weil sie gerade zwei Wochen vorher stattgefunden hatte. Ein Bild in der Weise wollten wir nicht erzeugen.

Lohnt sich die Deeskalationsstrategie? Im Herbst 2010 gingen die Vorstände von E.ON und RWE bei der Kanzlerin ein und aus. Jetzt sieht es aus, als bekämen sie nicht einmal mehr einen Termin.
Da ist vielfach ein verzerrtes, sogar falsches Bild vermittelt worden. Dass man in Eintracht zusammensaß und etwas ausgedealt hätte, wie es so schön hieß, hat nie gestimmt. Wir haben damals für eine Laufzeitverlängerung gekämpft. Wir haben sie bekommen, mussten dafür allerdings einen unerwartet hohen Preis bezahlen. Wir haben immer versucht, das in der Presse wieder ein Stück weit geradezurücken, auch mit den tatsächlichen wirtschaftlichen Zahlen, die dahinterstecken. Das ist vielleicht nur in Teilen gelungen, weil die andere Geschichte natürlich die viel schönere ist.

RWE hat gegen das Moratorium für Altmeiler geklagt, E.ON nicht. Haben Sie sich bewusst als dialogbereiter positioniert?
Die politische Kommunikation war nur einer der Gründe, aber nicht der einzige. Herr Teyssen hat gesagt: „Wo man nichts gewinnen kann, kann man nur verlieren.“ Das politische Moratorium sollte genutzt werden, um die Sicherheit der deutschen Anlagen vor dem Hintergrund des Unglücks in Japan zu untersuchen und eine möglichst sachliche Debatte über das verantwortbare Restrisiko zu führen. Dabei war für uns sehr schnell klar, dass wir die Anlagen nicht einfach wieder anfahren würden, auch wenn das rechtlich möglich gewesen wäre. Wir wollten uns nicht gegen den breiten Mehrheitswillen der Gesellschaft stellen. Und wir wollten einen Beitrag dazu leisten, dass in Deutschland sachlich über die Folgen von Fukushima diskutiert werden kann. Deshalb die Entscheidung, gegen das Moratorium nicht zu klagen.

Nun klagt E.ON gegen die Brennelementesteuer und verlangt Schadenersatz, weil Einnahmen verlorengehen. Wie passt das zur Deeskalationsstrategie?
Gegen die Kernbrennstoffsteuer werden wir mit Rechtsmitteln vorgehen, weil wir sie für europarechts- und verfassungswidrig halten. Auch den Vermögensschaden, der aus der Gesetzgebung resultiert, werden wir gegenüber der Bundesregierung geltend machen. Zu beidem gibt es keine Alternative. Unsere Aktionäre, darunter mehr als 500.000 Kleinanleger, haben Anspruch darauf, dass der Vorstand alles Notwendige unternimmt, um ihr Vermögen zu schützen.

Will derzeit noch jemand solche Sachargumente hören? Sind Teile der Politik und die Medien nicht einfach grundsätzlich gegen die Energieindustrie eingenommen?
Die Medien wirken als Verstärker und Lautsprecher, mit Sicherheit überziehen sie die Stimmungslage sogar. Rationales wurde im Lauf der Diskussion von Emotionalem verdrängt. Natürlich war uns irgendwann klar, dass es bei der Laufzeitverlängerung vom letzten Herbst nicht bleiben würde. Dass es so dann auch kam, muss man nicht richtig finden, aber man muss es letztlich akzeptieren.

Inwiefern bauen Sie diese Bereitschaft zum Gespräch in die Öffentlichkeitsarbeit ein?
Wir haben die Plattform „E.ON im Dialog“ geschaffen, ein Informationsstand, mit dem wir als Diskussionsplattform unterwegs sind und uns auch schwierigen Fragen stellen, etwa in Berlin. Das hat keine Agentur für uns gemacht, sondern wir machen das mit Kollegen, nicht nur aus der Kommunikation, sondern aus allen regionalen und lokalen Einheiten, die wir hier schwerpunktmäßig in Deutschland haben. Es gibt ein Team von mehr als 200 Mitarbeitern, die sich freiwillig und neben ihrer Arbeitszeit bereiterklären, auf Diskussionsständen Rede und Antwort zu stehen. Das zeigt, dass wir das Gespräch suchen.


Die komplette Titelgeschichte über die Kommunikation von E.ON lesen Sie in der August-Ausgabe des prmagazins.

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