Deutsche Stiftung Organtransplantation
„Zahlen und Fakten ein Gesicht geben“
Wegen des „Organspende-Skandals“ ist Birgit Blome seit Wochen mit Krisen-PR beschäftigt. Die Kommunikationschefin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) über ihren Kampf gegen mediale Vereinfachung und den Vertrauensverlust in der Bevölkerung.

Blome: „Die Medien sprechen immer wieder von einem Organspende-Skandal. Das steigert die Aufmerksamkeit, ist aber nicht korrekt.“ (Foto: dapd)
prmagazin: In einer Umfrage für den Stern erklärte rund jeder Fünfte, seine Bereitschaft zur Organspende sei gesunken. Was kann die Kommunikation gegen den Vertrauensverlust tun?
Blome: Zuerst müssen die Vorwürfe in Göttingen und Regensburg lückenlos aufgeklärt, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und Maßnahmen umgesetzt werden, um Missbrauch künftig auszuschließen. Durch die Vermischung von Themen und zum Teil unkorrekte Berichterstattung über das beschleunigte Vermittlungsverfahren ist ein Imageschaden entstanden, der fälschlicherweise das ganze System unter Generalverdacht stellt. Wir versuchen gegenzusteuern. Unsere fachliche Unterstützung ist sehr wichtig. Die Organspende und Transplantation sind komplizierte Themen, die Medien sind auf umfassende Hintergrundinformationen und Erklärungen angewiesen.
Sie haben sich gegen das mediale Etikett „Organspende-Skandal“ gewehrt. Warum?
Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass es sich um einen mutmaßlichen Betrug in der Organverteilung handelt, der mit der eigentlichen Organspende nichts zu tun hat. Schlimmstenfalls müssten wir von Transplantations-Skandal sprechen.
Besonders erfolgreich waren Sie aber nicht.
Die Medien sprechen immer wieder von einem „Organspende-Skandal“. Das steigert die Aufmerksamkeit, ist aber nicht korrekt. Einige Journalisten haben das verstanden und sich neu orientiert. Auch Politiker, die es besser wissen müssten, vermischen die Begriffe und vergrößern damit den Imageschaden.

Birgit Blome, Kommunikationschefin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)
Was waren außerdem die wichtigsten Ziele und Botschaften Ihrer Krisenkommunikation?
Zunächst einmal galt und gilt es, die aufgeheizte Diskussion zu versachlichen und die klare Trennung der Aufgaben hervorzuheben. Organspende, Organvermittlung und Transplantation sind per Gesetz organisatorisch streng getrennt. Die Organspende funktioniert nach wie vor und ist für viele Patienten die einzige Chance zu überleben. Wir appellieren, darüber nachzudenken, dass die Leidtragenden die Patienten auf der Warteliste sind. Wir weisen immer wieder auf deren Situation und den eklatanten Organmangel hin, der letztlich den Nährboden für Betrügereien bereitet. Betrug ist nicht die Norm, sondern die Ausnahme.
Die DSO setzt sich seit langem dafür ein, Akzeptanz und Ansehen der Organspende in Deutschland zu steigern und die Spendebereitschaft zu erhöhen. Macht der sogenannte Skandal die Arbeit von vielen Jahren zunichte?
Das Vertrauen in der Bevölkerung ist sicher erschüttert, ausgerechnet in einer Phase, in der mit der Novellierung des Transplantationsgesetzes und dem Gesetz zur Entscheidungslösung wichtige Schritte zur Verbesserung der Organspendesituation gemacht wurden. Alle beteiligten Institutionen und Verbände müssen jetzt gemeinsam verhindern, dass Organspende und Transplantation aufgrund des mutmaßlich kriminellen Fehlverhaltens Einzelner unter einen Generalverdacht geraten und nachhaltigen Schaden nehmen.
Im April haben Sie für die Stiftung „Fürs Leben“ eine Informationskampagne gestartet, um unter anderem auf die Situation von Menschen aufmerksam zu machen, die auf der Warteliste für Organspenden stehen. Was wird nun daraus?
Die DSO hat diese Initiative im Juni 2008 gegründet, um die breite Bevölkerung auch auf ungewöhnlichen Wegen und über authentische Patienten- und Angehörigenschicksale dazu zu bewegen, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir wollen den Zahlen und Fakten ein Gesicht geben. Seitdem haben wir zahlreiche Events und Kampagnen umgesetzt. Das werden wir fortsetzen. Jetzt mehr denn je.
Gibt es Pläne für eine Kommunikationsoffensive?
Um über Kampagnen nachzudenken, ist es sicher noch zu früh. Wir müssen zunächst alle gemeinsam Vertrauen zurückgewinnen. Das funktioniert bei diesem ernsten Thema nicht über Kampagnen, sondern über ehrliche und fundierte Aufklärung und Berichterstattung.
Die September-Ausgabe des prmagazins ist erschienen. Hier geht es zum E-Paper. Darin unter anderem: |



