Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Redakteur

im Heft

12/2011

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Jahresrückblick: Wende des Jahres

Merkels Atom-Mäandern

Wendepunkt: Nach Fukushima wird der Druck von NGOs und aus dem Volk zu groß. Die Politik beschließt den Ausstieg. (Foto: ddp)

Schlimmer konnte das Jahr aus Sicht der Energieriesen kaum laufen. Noch im Herbst 2010 feiern E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall die Entscheidung der schwarz-gelben Koalition, die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke zu verlängern. Doch sie unterschätzen die Stimmung in der Bevölkerung, die den Atom-Deal mehrheitlich ablehnt. Die Anti-Atomkraftbewegung erlebt gewaltigen Auftrieb. Das Reaktorunglück im März 2011 im japanischen Fukushima ist der Funke, der das Thema hierzulande hochgehen lässt. Argumente wie Versorgungssicherheit und die Angst vor dem Strom-Blackout sind plötzlich Makulatur.

Die Regierung verhängt zunächst ein dreimonatiges Atommoratorium, gleichsam über Nacht müssen sieben Kernkraftwerke vom Netz. Die Energiemanager be mühen sich um eine gemeinsame Kommunikationslinie und schicken mit dem Deutschen Atomforum ihre Lobbyorganisation als Blitzableiter an die Front. Das Ziel: Versachlichung der Debatte. Die Botschaft: Deutsche Kernkraftwerke sind sicher. Die Phalanx hält nur kurz. Während die übrigen Energiemanager, allen voran E.ON-Chef Johannes Teyssen, auf Deeskalation setzen, poltert schon bald, wenig überraschend, RWE-CEO Jürgen Großmann durch die Republik. Drei Tage nach dem Tsunami in Japan wettert er in einem mit den Branchenkollegen nicht abgestimmten Bild-Interview gegen die Politik, dann klagt RWE vor Gericht gegen das Moratorium.

Doch alle Anstrengungen bleiben erfolglos: Am 6. Juni 2011 beschließt die Koalition das Aus für acht Kernkraftwerke und den stufenweisen Atomausstieg bis 2022. Damit sind nicht nur jahrelange Investitionen in Lobbying und PR mit einem Schlag zunichtegemacht. Die Konzerne müssen sich auch neu erfinden. Die Entwicklung beim größten Atomenergieerzeuger E.ON zeigt, was von bisherigen Bekenntnissen der Manager zu erneuerbaren Energien zu halten ist. Noch in der August-Ausgabe des prmagazins ver sichert E.ON-Kommunikationschef Guido Knott, ein Stellenabbau sei nicht geplant – im selben Monat wird bekannt, dass der Konzern bis zu 11.000 Arbeitsplätze abbauen will. Das nächste Opfer der Wende könnte das Atomforum sein, das in der Debatte um die Kernkraft schon lange keine tragende Rolle mehr spielt. Der Atomausstieg dürfte es vollends überflüssig machen.

 

Jahresrückblick Teil 1

Bilder des Jahres: Diktatorendämmerung

Wende des Jahres: Merkels Atom-Mäandern

Gewinner des Jahres: Riesiger Sympathiebonus

Prügelknabe des Jahres: Von Dioxin-Eiern und EHEC-Gurken

Branchendebatte des Jahres: Die Früchte des Zorns

Agenturpersonalien des Jahres: Zurück an Deck

 

Jahresrückblick Teil 2

Trend des Jahres: Facebook-Boom und Facebook-Bashing

Neuanfang des Jahres: Aderlass und Heilungschance

Agenturumbruch des Jahres: Brain Drain

Seitenwechsler des Jahres: Lehrjahre für Profis

Mutprobe des Jahres: Lügen und Loyalität

Medienskandal des Jahres: Absturz der Heiligen

Medientrend des Jahres: TV-Magazine auf dem Boulevard

 

Jahresrückblick Teil 3

Krise des Jahres: Sprachverwirrung

Etat des Jahres: Anspruchsvoller Job

Verlierer des Jahres: Banken verzocken Reputation

Pleite des Jahres: Warnung für alle

Skandal des Jahres: Koks und Salz

Abwehrkampf des Jahres: PR-Schlacht gewonnen, Krieg verloren

Machtkampf des Jahres: Es gibt nur Verlierer

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