Detailinformationen

Autor

Bernhard Blohm

Kolumnist

im Heft

1/2012

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Blohms Blauer Brief

Besser vorbereiten

Das Thema „Autorisierung von Interviews“ treibt noch immer neue und geradezu skurrile Blüten. Das Handelsblatt veröffentlichte Mitte Oktober ein spektakuläres Interview mit dem Chef der größten französischen Bank BNP Paribas, Baudouin Prot. Spektakulär, weil es ohne Antworten gedruckt wurde.

Bernhard Blohm

Den Redakteuren war es in den vier Wochen seit ihrem Besuch in Paris nicht gelungen, eine Freigabe von der Bank zu bekommen. Ich selbst warf einst ein Interview – übrigens ebenfalls mit einem Banker – nach der Autorisierung in den Papierkorb, weil die Antworten nichts mehr mit dem zu tun hatten, was er mir gesagt und ich aufgeschrieben hatte.

Das ist für beide Seiten höchst unerfreulich. Der Journalist hat vergeblich gearbeitet, die Unternehmenskommunikation eine Chance zur Positionierung ihres Vorstandsvorsitzenden verspielt – und gibt sich zudem der Lächerlichkeit preis. Abgesehen von dem seltenen Fall, dass ein Trottel die Pressearbeit eines Unternehmens leitet, sind die Ursachen dieser Peinlichkeit meist anderer Art.

An erster Stelle steht eine schlechte Zusammenarbeit von Chef und Kommunikator. Dem Vorstandsvorsitzenden werden die Gründe nicht ausführlich erläutert, warum ein bestimmtes Interview gerade jetzt wichtig ist und was damit bezweckt werden soll. Das ist der Fehler des PR-Verantwortlichen.

Es gibt CEOs, die den Ausführungen ihres Kommunikators scheinbar lauschen, mit den Gedanken aber woanders sind. Sie sind überzeugt, so ein lächerliches Interview ohne Vorbereitung zu wuppen. Das ist der Fehler des Chefs.

Verbreitet ist zudem die Annahme, man könne Interviews aus dem Stegreif führen, weil man die Aussagen ja bei der Autorisierung ändern könne. Darunter verstehen viele Konzernlenker und ihre Presseleute, dass das Gesagte nur so lange Gültigkeit hat, wie es dem Interviewten in den Kram passt. Das ist der Kardinalfehler von Chef und Kommunikator.

Hilfreich ist in dem Zusammenhang ein Blick über Deutschland und Kontinentaleuropa hinaus. In den meisten Ländern werden Interviews nicht autorisiert. Was der Interviewte von sich gibt, ist frei zur Veröffentlichung. Es gilt im umfassenden Sinn das gesprochene Wort. Das hat Vor- und Nachteile. Vom Interviewten verlangt es höchste Konzentration. Er muss sich strikt an den vorbereiteten Inhaltsfahrplan halten und darf sich durch Zwischenfragen nicht aus dem Konzept bringen lassen. So wird das Interview weitgehend in seinem Sinne ausfallen. Solche Interviews lesen sich oft hölzern, wenn sie nicht sogar inhaltsleer sind.

Insofern ist Autorisierung nicht nur Teufelszeug, sondern kann dazu beitragen, dass Botschaften authentisch wirken. Die Sicherheit, Aussagen korrigieren zu können, lässt es zu, auf den Interviewer einzugehen. Man kann freier reden, ohne permanent bis in die Haarspitzen konzentriert zu sein.

In jedem Fall aber gilt, dass sich Chef und Kommunikator einig sein müssen, warum und mit welchen Botschaften ein Interview geführt werden soll. Das verlangt von beiden eine intensive inhaltliche Diskussion und Vorbereitung. Sind diese Hausaufgaben professionell erledigt, halten sich Korrekturen am geschriebenen Interview in aller Regel in engen Grenzen – zur Zufriedenheit des Journalisten und ohne Ansehensverlust für das Unternehmen und seine Mitarbeiter.

 

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.

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