Blohms Blauer Brief

Gefährlicher Rivale

Karrieren im Management haben ihre Traumziele. Ehrgeizige Vertriebler träumen davon, Vertriebsvorstand zu werden, der Finanzmann vom Finanzvorstand und so weiter. Auch beim Kommunikator ist die Sache klar: Er träumt vom Posten des Kommunikationschefs. Doch der ist klar unterhalb der Vorstandsebene angesiedelt. Den Sprung nach ganz oben schaffen Kommunikatoren nur selten, und wenn, dann allenfalls in anderen Funktionen, etwa als Personalchef. Wieso eigentlich?

Bernhard Blohm

Diese Asymmetrie hat viele Gründe, nur nicht angeborene Bescheidenheit der Kommunikatoren oder grundsätzlich mangelnde Eignung für den Vorstand. Wer einen Unternehmensbereich mit mehreren hundert Mitarbeitern leiten kann, wäre auch in der Lage, einige tausend zu führen. So groß sind die prinzipiellen Unterschiede nicht. Allen anderen Führungskräften, die es in den Vorstand schaffen, traut man zu, dass sie diesen „Quantensprung“ schon meistern werden. Auch ihnen unterstanden in ihren vorigen Funktionen in der Regel deutlich weniger Mitarbeiter.

Analysiert man den Aufgabenbereich der Kommunikation in Unternehmen, so schält sich als Hinderungsgrund für einen Vorstandsposten schnell ein allzu menschliches Argument heraus: Wer die Kommunikation beherrscht, beherrscht das Unternehmen.

Im Extremfall fährt diese Sichtweise dazu, dass die Aufgaben der Kommunikation zerstückelt werden. Die externe Kommunikation ist Sache des CEO, der dafür seinen Pressesprecher hat. Die Finanzkommunikation übernimmt der Finanzvorstand mithilfe des Leiters Investor Relations. Das Marketing ist beim Vertriebsvorstand angesiedelt, der seinen Marketingchef hat. Und der Personalvorstand kümmert sich mit seinem Chef für Mitarbeiterkommunikation ums Interne. Vollends verrückt wird es, wenn dann noch der Leiter des Vorstandsstabs die so genannte Gremienkommunikation verantwortet.

So kocht jeder sein eigenes Süppchen, und ungezählte, meist endlose und wenig erfolgreiche Abstimmungsrunden machen die Kommunikation zum Gegenstand permanenter und kritischer Diskussion im Unternehmen. In einer solchen Gemengelage kann sich ein Kommunikator kaum für höhere Weihen empfehlen. Lob von der einen Seite ruft sofort Kritik von der anderen hervor.

Kluge Vorstandschefs führen über die Kommunikation. Sie wissen um deren Bedeutung für den Unternehmenserfolg – intern wie extern. Trotzdem wagen sie es nicht, den Bereich auf Vorstandsniveau zu heben. Der Grund liegt nahe: Die Machtbalance würde sich deutlich verschieben, wenn der Mann des Chefs, also der Oberkommunikator, auch noch im Spitzenmanagement säße.

Darüber hinaus wäre er eine Gefahr für den gesamten Vorstand, weil er noch mehr Möglichkeiten hätte, vor allem die Pressearbeit in seinem Sinne zu gestalten. Es wäre aus Sicht „traditioneller“ Vorstände also schlicht unklug, einen gefährlichen Rivalen in ihrem Kreis zu haben.

Für die Kommunikationschefs bedeutet das vermutlich noch auf lange Zeit, sich entweder ihrem Schicksal zu ergeben oder sich beizeiten für einen Bereich zu empfehlen, bei dem ein Vorstandsposten wenigstens in greifbare Nähe rückt.

 

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.

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