Blohms Blauer Brief
Globale Deppen
Zum dritten Mal in diesem noch jungen Jahrhundert stehen sie am Pranger – und sie scheinen das weitgehend stumm zu schlucken. Wie lange wollen, wie oft können sich die Banken das noch leisten?

Bernhard Blohm
Nach dem Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2000 wurden sie wütend attackiert, sie hätten Anleger zum Kauf nahezu wertloser Aktien gedrängt. In der globalen Bankenkrise von 2007 bis 2009 musste die öffentliche Hand die Institute mit hunderten Milliarden Euro und Dollar retten, weil sie sich mit undurchsichtigen Finanzinstrumenten verzockt und ungezählte Anleger mit in den Abgrund gerissen hatten.
Und nun haben sich die Banken mit jetzt unverkäuflichen Staatsanleihen verhoben. Kommt es zu einem Schuldenschnitt bei den Krisenländern, wäre auch das Eigenkapital der Geldhäuser verloren. Genau wie vor drei, vier Jahren tritt der Staat als Bankenretter auf. Niemand weiß, ob dafür 200 Milliarden oder 400 Milliarden Euro aus dem Portemonnaie des Steuerzahlers nötig sind. Auf jeden Fall wird die Summe wieder astronomisch hoch sein.
Zwar sind die Banken nicht Auslöser der aktuellen Krise – diese zweifelhafte Ehre gebührt der jahrzehntelangen, ungezügelten Schuldenpolitik der öffentlichen Hand und dem miserablen Schuldenmanagement insbesondere der europäischen Regierungen. Aber auch jetzt sind sie die Schmuddelkinder, oder besser: die globalen Deppen, die mit dem ihnen anvertrauten Kapital nicht sorgsam umgehen können. Wie wollen die Banken mit diesem Image überleben? Oder schert sie das alles nicht, weil sie wissen, dass man sie – egal wie es kommt – immer braucht? Fast könnte man Letzteres meinen.
Aber das ist zu kurz gedacht. Banken leben vom Vertrauen ihrer Kunden. Dieses Vertrauen ist in den vergangenen elf Jahren dramatisch gesunken. „Bankster“ und „Gierbanker“ sind Wortschöpfungen, die den Glaubwürdigkeitsverlust des gesamten Gewerbes drastisch belegen. Man muss gar nicht die zahlreichen Umfragen bemühen, die das bestätigen.
Das Vertrauen zurückzugewinnen, ist allerdings nicht in erster Linie Aufgabe der Kommunikation. Es ist die der Manager und Aufsichtsräte, die die Geschäftsmodelle der Institute auf nachhaltigen Erfolg ausrichten müssen – auch wenn das Rendite kostet. Weiter geht es darum, dass Krisen, die auch in Zukunft unvermeidbar sein werden, die Banken nicht automatisch zu Empfängern staatlicher Stütze machen. Das ist kein Fundament, auf dem man neues Vertrauen aufbauen kann. Und niemand sollte glauben, das schlechte Bankenimage allein mit PR und Werbefilmchen wieder ins Lot bringen zu können.
Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.


