Detailinformationen

Autor

Bernhard Blohm

Kolumnist

im Heft

8/2013

Blohms Blauer Brief

Nicht alles selbst machen!

Liegt es an mangelndem Selbstbewusstsein oder an Selbstüberschätzung?

Bernhard Blohm

Ich habe darauf bisher keine über zeugende Antwort gefunden. Mich erstaunt immer wieder, wie oft Kommunikationschefs bei großen Projekten im Unternehmen, ohne viel nachzudenken, auf eine interne Lösung setzen – und dann grandios scheitern.

Mitarbeiterteams sollen neben ihrem täglichen Job wie selbstverständlich die Projektarbeit mit übernehmen. Das mag im Einzelfall funktionieren, obwohl mir jeder Kommunikationsbereich personell überdimensioniert erscheint, der außergewöhnliche Aufgaben ohne Schwierigkeiten nebenher stemmen kann.

Oft ist es aber so, dass Projekte für Kommunikationschefs wie für Mitarbeiter Neuland sind und komplexe Fragestellungen aufwerfen. Geht es beispielsweise um Change-Prozesse, bei denen es immer Verlierer und Gewinner im Unternehmen gibt, dann sind die Interessen im Unternehmen, vom einzelnen Vorstand bis hin zum Pförtner, zwangsläufig unterschiedlich.

In einer solchen Gemengelage nicht die Orientierung zu verlieren, ist schon eine stattliche Leistung. Sie sagt aber nichts über den Erfolg der geplanten kommunikativen Maßnahmen aus. Der wird entscheidend geprägt von den Interessen der mit dem Projekt befassten Menschen. Kennt der Kommunikationschef diese Anliegen genau? Kann er sich durchsetzen, wenn im großen Projektteam Vorstandsmitglieder und Führungskräfte mitwirken, die möglicherweise andere Vorstellungen haben?

Wie bei jedem Projekt werden zu einem geeigneten Zeitpunkt die dafür geplanten Maßnahmen und Prozesse dem Vorstandschef präsentiert. Recht oft ist der damit nicht zufrieden – und fordert selbst externe Unterstützung für den Kommunikationschef an. Das ist gefährlich für das Standing im Unternehmen, und manchmal kostet es so gar den Arbeitsplatz.

Warum schauen sich insbesondere jüngere Kommunikatoren nicht ab, wie ihr Chef mit solchen Projekten umgeht? Der holt sich wie selbstverständlich Hilfe von außen bei McKinsey & Co. Und er hat dafür eine ganze Reihe guter Gründe, die hier zu erörtern den Rahmen sprengen würde. Wenn der PR-Chef mit überzeugenden Argumenten (die ihm sicher einfallen werden) vor Projektbeginn externe Unterstützung einfordert, wird diese ihm nur selten verweigert werden.

Eins sollte sich jeder vergegenwärtigen: Wer meint, alles selbst machen zu können, ist entweder ein Wesen vom anderen Stern oder zumindest jemand, der die Vorzüge der Arbeitsteilung noch nicht richtig verstanden hat.

Kontakt zum Autor: blohm(at)prmagazin.de

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.

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