Blohms Blauer Brief
Ungleiche Gegner
Mit ihrer starren Kommunikationsstrategie hat die Lufthansa-Führung leichtfertig Glaubwürdigkeit und Lösungskompetenz aufs Spiel gesetzt – ganz egal wie der Streik der Flugbegleiter gegen die Lufthansa am Ende ausgeht.

Bernhard Blohm
Was waren das für Zeiten, als Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und GDL-Boss Manfred Schell sich im Lokführerstreik der Jahre 2007 und 2008 beharkten. Mehdorn bezeichnete seinen Widerpart als „Terroristen“, der konterte mit „Rumpelstilzchen“. Viele weitere Attacken, die Journalisten und Medienpublikum belustigten, ließen sich anführen. Beide Kontrahenten sind halt von kantiger, bärbeißiger und impulsiver Natur und können nicht nur austeilen, sondern auch einstecken. Der gewiefteste PR-Stratege würde es bei diesen Charakteren wohl nicht schaffen, verbale Ausrutscher auszuschließen.
Man kann über diese Art des Klassenkampfs gewiss die Augenbrauen hochziehen, weil persönliche Diffamierungen nie Bestandteil einer Kommunikationsstrategie sein sollten – auch nicht in Streikzeiten. Allerdings muss man konstatieren: Beiden gelang es, auch ihre Sachargumente zu vermitteln. Als Mehdorn auf die polternde Art nicht mehr weiterkam, trat er aus dem Scheinwerferlicht und überließ Personalchefin Margret Suckale das Feld. Die wurde für ihre sachliche und hartnäckige Art damals viel gelobt. Wie der Streit ausging, ist bekannt. Mehdorn wie Schell fühlten sich erwartungsgemäß als Sieger. Damit war die Sache abgehakt.
Wie anders war die Situation Anfang September bei einem ganz ähnlichen Streik: dem der Flugbegleiter gegen die Lufthansa. UFO-Chef Nicoley Baublies ist der perfekte Gegenentwurf zum raubauzigen Lokführer Schell. Sachlich, höflich, geradezu freundlich und ohne Kraftworte kommt er daher. Las man seine Argumente nicht gerade entnervt am Frankfurter Flughafen, konnte man durchaus Verständnis für seine Position haben.
Irritierend war dagegen das Verhalten von Lufthansa-Chef Christoph Franz: Er schwieg einfach tagelang. Es konnten noch so viele Mikros und Kameras auf Baublies gerichtet sein – von der Lufthansa tauchte bestenfalls Kommunikationschef Klaus Walther auf, der im direkten Vergleich mit Sympathieträger Baublies aber kaum punktete. Gleiches gilt für Franz: Als sich der CEO im „heute journal“ kurz vor Beginn des Schlichtungsverfahrens endlich selbst zu Wort meldete, wirkte er spröde und wenig souverän.
Das Problem: Gelingt es der Arbeitgeberseite in Tarifstreits nicht, die Besonderheiten der Konfliktpartei und ihrer Wortführer in die eigene Kommunikationsstrategie einzubeziehen, fällt es schwer, die eigenen Positionen überzeugend zu vermitteln und bei Mitarbeitern und Öffentlichkeit Sympathien zu gewinnen.
Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.


