Detailinformationen

Autor

Bernhard Blohm

Kolumnist

im Heft

6/2012

Blohms Blauer Brief

Zugemüllt

Das Problem existiert vermutlich, seit es den Beruf des Journalisten gibt, und es ist immer noch aktuell: die unaufhörliche Flut unbrauchbarer Pressemeldungen. Was sich früher innerhalb weniger Tage zu einem mehrere Zentimeter hohen Papierstapel auf dem Schreibtisch türmte, verstopft heute das elektronische Postfach. Und wie eh und je klagen Journalisten über den „Müll“.

Bernhard Blohm

Besonders erzürnt sie, dass trotz steigender Arbeitsbelastung die Entsorgung des elektronischen Posteingangs immer mehr Zeit beansprucht. Das sieht nicht gerade nach einer guten Basis für einen einigermaßen freundlichen Umgang zwischen Journalisten und PR-Leuten aus.

Merkwürdig, dass sich daran trotz der angeblichen Professionalisierung der PR offenbar nichts geändert hat. Christof Haverkamp, Leiter des Ressorts Politik und Wirtschaft bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, hat grundsätzlich gar nichts gegen unaufgefordert zugesandte Pressemeldungen. Er ärgert sich aber maßlos über Mails, die zum Beispiel überhaupt keinen Bezug zum Verbreitungsgebiet seiner Zeitung haben. „Mit einem Bericht der Bayerischen Wohnungswirtschaft kann ich hier in Osnabrück wirklich nichts anfangen. Warum bekomme ich diesen Müll, und warum muss ich den Absender erst auffordern, mich aus dem Verteiler zu streichen?“, fragt Haverkamp. „Könnten die PR-Leute ihre Informationen nicht zielgruppengerecht versenden?“

Offensichtlich nicht. Das dürfte auch daran liegen, dass der elektronische Versand von Pressemeldungen aus Sicht der Absender einen gewaltigen Vorteil gegenüber dem alten Postweg hat. Ob eine oder 1.000 Mails – die Versandkosten bleiben gleich. Da lohnt sich die Streusandbüchse. Und sie hat sich folgerichtig zu einer lukrativen Geschäftsidee entwickelt: dem Handel mit elektronischen Adressen von Journalisten.

Ein Unternehmen wie Meltwater zum Beispiel rühmt sich, „drastisch die Art und Weise zu verändern, wie Medienlisten erstellt und Nachrichten vertrieben werden“. Ein Journalist einer überregionalen Wirtschaftszeitung, der namentlich nicht genannt werden möchte, weil er sonst „noch mehr Spam“ auf seinem Computer befürchtet, ärgert sich über diese „drastische Art und Weise“ von Meltwater. „Wieso nutzen die ungefragt meinen Namen für ihr Geschäft?“, empört er sich. „Jeden Tag bekomme ich 30 bis 50 Mails mit Informationen, mit denen ich nichts anfangen kann.“

Ihn nervt besonders, dass er ein ums andere Mal verschiedene Absender, mit denen er nie zu tun hatte, anmorsen musste, um aus dem Verteiler gestrichen zu werden. Erst als er nachbohrte, erfuhr er, dass diese Unternehmen Kunden von Meltwater waren und von dort seine E-Mail- Adresse bekommen hatten – als angeblich an den Nachrichten des Absenders interessierter Journalist.

Ein fragwürdiges Vorgehen. Und es ist tatsächlich ein globales Problem: In ungezählten Blogs wird darüber in den USA und anderen Ländern diskutiert. Eine zündende Idee, wie sich elektronischer Müll vermeiden ließe, scheint jedoch noch niemand gefunden zu haben.

 

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.

Aktuelle Kommentare

19.06.2012 11:44

Hallo Du

Zwar kein "zündende Idee" aber tatsächlich müssen PR-ler ihren Job genauer angehen. Ich habe selbst in dem Bereich gearbeitet, und teilweise gab es da Verteiler mit über 500 Kontakten, die einfach schon seit Jahren nicht aktualisiert wurden. Ich habe mir dann eigene Verteiler erstellt und hatte dadurch auch weniger Fehlermeldungen über veraltete Mailadressen. Also es lohnt sich, sich dafür die Zeit zu nehmen. So kommen die Mitteilungen auch einfach zielgerichtet an, was effektiver ist.

 
Anzeige: 1 - 1 von 1.
 

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.