Detailinformationen

Autor

Bernhard Blohm

Kolumnist

im Heft

8/2012

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Blohms Blauer Brief

Zum Grausen

Mit dem Wetter ist das so eine Sache, mit der Wettervorhersage erst recht. Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Das kommt, wenn im Fernsehen das Wetter angekündigt wird.

Bernhard Blohm

Da haben sich Unternehmen, vorzugsweise Versicherungen, einen prominenten Werbeplatz gesichert und dürfen das dem geneigten Publikum auch mitteilen. Im ZDF etwa so: „Das Wetter wird Ihnen präsentiert von Ergo direkt“. Das versichert uns kein Geringerer als deren Vorstandsvorsitzender Peter M. Endres. Wir freuen uns gewaltig, weil es ohne sein Sponsoring wohl kein Wetter gäbe, eine schreckliche Vorstellung.

Aber was dann kommt, ist völlig gaga. Irgendwelche weißbekittelten, vermutlich bekifften Dr. Seltsams torkeln hinter Herrn Endres durch einen Raum und experimentieren wie Daniel Düsentrieb mit weißen Mäusen oder einem Wohnzimmergewitter oder so ähnlich.

Der Höhepunkt ist der Abspann der Sendung, in dem uns der Versicherungschef noch mal – übrigens grammatisch vollkommen korrekt – beteuert, dass das Wetter von Ergo direkt präsentiert wurde. Es blitzt und donnert im Labor, dass es eine wahre Freude ist, und es scheint, als hätten die Weißkittel während der kurzen Wettersendung noch rasch einen Joint durchgezogen. Da lacht nicht nur das Herz, sondern der ganze Fernsehzuschauer.

Wer denkt, das sei schon der Gipfel des Schwachsinns, wird in der ARD eines Besseren belehrt. Auch dort sponsert ein Versicherer die Wettervorhersage: die WWK – das Akronym steht für Witwen- und Waisenkasse. Deren Chef spielt im Spot nicht mal im Hintergrund mit. Nach vorn schickt er eine blonde und eine schwarzhaarige Piepmaus, die sich wahnsinnig freuen, dass eine von ihnen vier kurze Striche auf eine Wandtafel malen kann. Man erfährt leider nicht, wieso die beiden Striche malen können. Arbeiten sie vielleicht in der WWK-Kantine und malen dort die Speisekarte auf eine Tafel? Mein Gott, was muss es bei der Witwen- und Waisenkasse fröhlich zugehen.

Im Ernst: Was soll das? Diese Künstlichkeit ist nicht zu ertragen, und mit Witz oder Humor hat das schon gar nichts zu tun. Mag sein, dass es den Bekanntheitsgrad steigert, aber ist es den Verantwortlichen egal, dass dieser Schwachsinn dem Markenimage schadet? Klar, der Spielraum für Werbebotschaften ist beim Wettersponsoring gering. Aber zwischen Leichtigkeit oder Eleganz und verkrampfter Lustigkeit liegen Welten. Gerade Versicherer leben vom Vertrauen ihrer Kunden. Und die erwarten von ihrem Versicherungspartner Kompetenz und Seriosität, nicht Chaos und blöde Blondinenwitze.

 

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.

Aktuelle Kommentare

03.12.2012 23:43

ullrich schur

aber schoen sind sie doch die beiden "piepmaeuse" von den wwk-versicherungen. echte hingucker, gegen die die teuersten "werbeikonen" verblassen. ich habe jeden abend auf die wetterwerbung jewartet. haette ich die huebsche bruenette kennenlernen koennen...ich waere zum abschluss dutzender wwk-versicherungen erweicht worden...und wenn ich nicht viel zu alt fuer den abschluss neuer versicherungen waere, so haette ich ihr sicher einen heiratsantrag gemacht...ach wenn ich sie doch zumindest in anderen werbespots wiedersehen koennte....

27.08.2012 11:09

Antje Richter

Liest man den trockenen, aber offenbar schelmisch-witzig gemeinten Kommentar des Herrn Roth möchte man ihm durchaus einen Zug aus dem von Herrn Blohm angeführten Joint gönnen - oder gleich einen Wochenendtrip nach Budapest samt Trinkspiel mit geschnupftem Salz an Zitrone. Dass die Befragten von Herrn Roth nicht unter Drogen gesetzt wurden, ist glaubhaft. Ebenso nah liegt aber auch die Vermutung, dass er die Probanden so zu Tode gelangweilt hat, dass sie am Ende aus der überschaubaren Anzahl von Wahlmöglichkeiten tatsächlich die Attribute "humorvoll" und "innovativ" angekreuzt haben. Mafo eben. Unternehmenskommunikation eben. Das Übliche halt.

27.08.2012 09:43

Frank Roth

Sehr geehrter Herr Blohm,

herzlichen Glückwunsch. Sie haben es verstanden: Das Wetter-Presenting von Ergo Direkt spielt in einem Innovationslabor. Selbstverständlich ist es Ihnen überlassen, wie Sie das Szenario einstufen, aber dass das Wirken auf die Einnahme halluzinogener Wirkstoffe zurückzuführen sei, hat uns bislang noch niemand attestiert. Spannender Aspekt. Danke auch, dass Sie den Gipfel des Schwachsinns einer anderen Versicherung überlassen. Schade nur, dass der blumige Blohm-Text dann so eine beleidigte Note bekommt. Man kann fast Ihren Schaum vorm Mund sehen, wenn Sie wüten, „dieser Schwachsinn schade dem Markenimage". Dabei räumen Sie doch ein, dass der Spielraum für Werbebotschaften in diesem Umfeld gering ist - das gilt in der Tat. Nicht nur, weil Ergo Direkt in diesen sieben Sekunden sogar eine Geschichte erzählt, sondern weil es die stringente Fortführung der klassischen Werbebotschaft ist. Auf jeden Fall, Herr Blohm, handelt es sich hier um einen souveränen Umgang mit der trockenen Materie Versicherungen. Dabei zählt für uns nur eins: wie die Kunden darauf reagieren. Die finden den Auftritt klasse - und belohnen Ergo Direkt mit wachsendem Zuspruch. Und ganz nebenbei bemerkt: Sie halten das Wetter-Presenting für humorvoll und innovativ. Und versprochen: Wir haben bei der Marktforschung keinen der Befragten unter Drogen gesetzt!

Beste Grüße

Frank Roth
Leiter Unternehmenskommunikation
Ergo Direkt Versicherungen

 
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