Detailinformationen

Autor

Bernhard Blohm

Kolumnist

im Heft

3/2013

Blohms Blauer Brief

Zurück an die Front

Pressesprecher und Journalisten hatten noch nie eine entspannte Beziehung. Wie sollte das bei den unterschiedlichen Rollen der Beteiligten auch anders sein? Trotzdem hatte ich als Journalist wie als PR-Manager bis auf ganz wenige Ausnahmen das Gefühl, dass der Umgang von beiden Seiten professionell und fair war.

 

Bernhard Blohm

Rede ich in diesen unruhigen Zeiten mit einstigen Kollegen aus den Unternehmen, scheint es mir, als hätte sich das geändert. Wenn über Medien, Journalisten und das ganze Drumherum geplaudert wird, fällt oft ein Satz, der viel über das aktuelle Verhältnis von Journalisten und Kommunikatoren aussagt. Sinngemäß lautet er: „Ich habe meinen Vorstandsvorsitzenden jetzt vollkommen aus der Schusslinie genommen.“ Gemeint ist, dass die Kontakte des Unternehmenschefs zu Journalisten auf ein Minimum heruntergefahren werden. Die Pressesprecher sehen offenbar kaum noch einen Nutzen darin, den CEO und das Unternehmen über Medien öffentlichkeitswirksam zu positionieren.

Bohrt man weiter, mokieren sich meine früheren PR-Kollegen über den „stark gewachsenen“ Hang der Journalisten zu einer „überkritischen“ Berichterstattung, die dem Chef mehr schade als nutze. Ein immer größerer Teil der Presse sehe die Wirtschaft als Veranstaltung von Dunkelmännern, nur darauf aus, andere übers Ohr zu hauen. Wahrscheinlich ist bei dieser Frustaussage viel Klischeedenken im Spiel. Aber selbst wenn es nicht so wäre, halte ich die Schlussfolgerung der Pressesprecher, den CEO abtauchen zu lassen, aus mehreren Gründen für falsch.

1) Die Personalisierung der Wirtschaftsberichterstattung wird dadurch nicht zurückgedreht. Der Chef steht auch dann im Mittelpunkt, wenn er nicht mit der Presse redet.

2) Ein Unternehmen kann sich nur positionieren, wenn es Botschaften kommuniziert. Ignorieren Journalisten diese, steckt in den seltensten Fällen Böswilligkeit dahinter. Viel eher dürfte es an einer schlechten Aufbereitung der Botschaften gelegen haben. Klare Fragen verlangen klare Antworten. Geschwalle nehmen Journalisten zu Recht übel.

3) Fühlt man sich von einem Journalisten ungerecht behandelt, sollte das Unternehmen das mit belegbaren Argumenten klar zum Ausdruck bringen – gegenüber dem Journalisten und notfalls auch eine Etage höher.

Beleidigt zu sein oder einen Schmusekurs zu fahren, hilft nicht weiter. Nichts schätzen Journalisten mehr als einen professionellen Umgang mit ihren Ansprechpartnern in den Unternehmen. Das heißt nicht, ihnen alle Wünsche zu erfüllen. Aber auch nicht, aus Furcht vor einer unliebsamen Berichterstattung den Chef einfach auf stumm zu schalten.

 

Bernhard Blohm arbeitet als Berater in Hamburg. Der frühere Vize-Chef von Welt und Welt am Sonntag war unter anderem Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Leiter Unternehmenskommunikation der Dresdner Bank und Mitgründer der Investmentbank Equinet Bank AG.


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