Change-Kommunikation
Kulturwandel in der globalen Matrixorganisation
Herausforderungen kennt jeder, der einmal Veränderungen in einem Unternehmen gemanagt hat. Manchmal genügt ein Denkanstoß, um selbst die Antwort zu finden. Genau das soll unsere Online-Rubrik „Denkanstoß“ leisten. Die Change-Spezialisten der Düsseldorfer Unternehmensberatung C4 Consulting geben kurze und knackige Anregungen zu Ihren Themen. Diesmal fragt Marcus Brans, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing der Schaeffler AG, die C4-Expertin Anabel Houben.
IHRE HERAUSFORDERUNG
Welche Ansatzpunkte sehen Sie, eine komplexe Matrixorganisation durch die sich in Richtung Emerging Markets verlagernde Gewichtung innerhalb eines globalen Konzerns neu auszurichten? Wie kann man die Ansätze des Social Networkings über Kultur-, Funktions- und Sprachgrenzen hinweg nutzen, um die Komplexität im sich beschleunigenden globalen Change-Prozess einzugrenzen? Und welche Anforderungen kommen damit auf die Kommunikatoren zu?
Marcus Brans leitet die Unternehmenskommunikation und das Marketing der Schaeffler AG in Herzogenaurach.
UNSER DENKANSTOSS
Die Auflösung des Stammhaus-Ansatzes zieht eine kulturelle Neuausrichtung nach sich. Bislang kam den Heimatmärkten von global aufgestellten Konzernen in aller Regel die Rolle des Stammhauses zu – und damit eine besondere Gewichtung innerhalb der Matrixstruktur. Diese Stammhausfunktion löst sich jedoch zunehmend auf. Sogar Kernfunktionen wie R&D und ganze Headquarter werden mittlerweile in Emerging Markets verlagert. Die Herausforderung besteht darin, dies nicht einfach als Reorganisation zu betrachten, sondern den damit einhergehenden Kulturwandel zu erkennen und aktiv zu steuern. Denn durch die Organisationsveränderung verschieben sich die alten Rollenbilder und Machtzentren.
Damit wird auch ein Mindset-Change bei den Betroffenen erforderlich. Das Selbstverständnis, die Rolle und die Bedeutung von Business Functions, Business Units und Standorten müssen neu definiert und bei den Mitarbeitern verankert werden. Die Erfahrung zeigt, dass ein Kulturveränderungsprozess so früh wie möglich initiiert werden muss, um interne Widerstände gegen die Verlagerungen in der Matrix gar nicht erst zu stark werden zu lassen. Eine wohl ausgewogene Change-Architektur hilft den Verantwortlichen dabei, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen.
Social Media schafft institutionalisierte Kontaktpunkte für die virtuelle Zusammenarbeit. Grundsätzlich wichtig für eine stabile Zusammenarbeit innerhalb von globalen Matrixstrukturen ist ein intaktes Beziehungsgeflecht zwischen und innerhalb global verteilten Funktionen. Jede Funktion, so auch Communications, sollte sich daher als virtuelle Community begreifen, die zusammengehalten werden muss. Der Einsatz von Social-Media-Anwendungen auf der sozialen und inhaltlichen Ebene kann dies unterstützen. Mit virtuellen Meeting-Räumen, Fachforen und Projektmanagement-Anwendungen können für unterschiedliche Communitys virtuelle Kommunikations- und Arbeitsplattformen geschaffen werden. Sie fördern den regelmäßigen Kontakt, den institutionalisierten Wissens- und Erfahrungsaustausch und die themen- und projektbezogene Zusammenarbeit auch über Länder- und Funktionsgrenzen hinweg.
Auch Communitys – Orte, wo eher Personen im Vordergrund stehen und sich nicht nur über Berufliches austauschen – sind eine willkommene Vitalisierung. Sie können an der Schnittstelle unterschiedlicher Funktionen – zum Beispiel R&D und Manufacturing – etabliert werden oder ausschließlich innerhalb einer Funktion. Insgesamt stärkt die Vernetzung der Community das Wir-Gefühl in der Matrix und vitalisiert das sonst eher statische Verhältnis der Funktionen untereinander. Soll der Einsatz von Social-Networking-Instrumenten global erfolgen, geht dies nur mit Englisch als Konzernsprache. Dies wiederum erfordert und unterstützt gleichzeitig einen Kulturwandel.
Anabel Houben ist Gründerin und Partnerin der C4 Consulting GmbH in Düsseldorf.
Stehen Sie auch vor Herausforderungen, aus denen Kollegen in Ihrem und anderen Unternehmen lernen können? Mailen Sie uns Ihre Frage an denkanstoss(at)prmagazin.de oder rufen Sie uns an unter 02228/931-123.




