Detailinformationen

Kolumne: Der Netzwelterklärer

Die Nacht der langen Messer

Anfang des Jahres sind eine Reihe von PR-Leuten, die auf Social Media spezialisiert sind (oder sollte ich sagen: Social-Media-Spezialisten, die in PR-Agenturen arbeiteten), zu Werbeagenturen gewechselt. Andere Werbeagenturen holten sich Planner, die Social Media schon länger bearbeiten oder bedenken. In Unternehmen rücken juniorige Social-Media-Handwerker ein. Hätte ich eine PR-Agentur, würde ich mir langsam Sorgen machen.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

PR und PR-Agenturen waren die Vorreiter. Seit 2006 war Social Media für einige fester Bestandteil ihrer Arbeit, ich selbst bin darum auch 2006 erstmals in eine Agentur gegangen. Aber es kommt mir so vor, als diskutierten wir PR-ler (wenn ich mich da mal mit reinnehme) langsam nur noch mit uns selbst.

Da werden immer noch Fragen danach gestellt, welche Rolle eine Agentur haben könnte, ob und was man denn da im Social Web, auf Facebook oder Twitter machen könne. Und wenn es um die Erfolgsbewertung (nicht Messung, denn messen können wir seit fünf Jahren nahezu alles und jeden) geht, knicken viele immer noch ein und murmeln was von „muss ja“ oder „ja, hm“.

In den Unternehmen nimmt das Marketing der PR das Thema weg. Gerade hat BMW auf dem PR 2.0 Forum das mal wieder demonstriert mit einem Organigramm, in dem bei Social Media auch die Produkt-PR im Marketing angesiedelt ist. Die schlechte Nachricht für PR-ler: das Marketing arbeitet oft mit Mediaagenturen oder Werbern, vielleicht noch mit klassischen Interaktivbuden, aber nur selten mit PR-Agenturen.

Warum sollten sie das auf einmal ändern, wenn es um Social Media geht, zumal die anderen Disziplinen langsam aufholen?

Mir geht es nicht um die Sandkastenspiele der Agenturen, wer was am besten machen sollte. Aber ich fürchte, dass es wie immer sein wird: Die PR bereitet ein Thema vor, experimentiert ein wenig, aber verpasst dann auf breiter Front den Sprung, wenn es an die richtigen, die großen, die profitablen Projekte geht. Dabei sind wir in der Praxis (und da bewege ich mich ja mehr als auf Kongressen und in Diskussionsrunden) schon viel weiter.

Es ist doch so: PR und Social Media schaffen Dialoge und Vertrauen, in diesem Resonanzraum sorgt Werbung für Aufmerksamkeit und Gefühle – und das Direktmarketing kapitalisiert all das für unsere Kunden.

Darum holt die Werbung so auf. Sie weiß, dass sie Social Media braucht, um eine rationale Komponente einzuziehen und ein Sprungbrett für den Vertrieb zu schaffen. Und sie misst. Und bewertet. Und zeigt, dass die Euros gut angelegt sind in Social Media. Und wenn PR weiter im Klein-klein der reinen Lehre diskutiert, dann machen wir anderen es eben ohne euch.

Social Media um der Social Media willen ist jedenfalls sooo 2009.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (41) berät seit 2004 Unternehmen und Marken auf ihrem Weg in die Social Media. Er ist einer der führenden Strategieberater mit dem Schwerpunkt Social Media, für die Internetworld Business einer der „5 People to Watch in PR“ 2011. Achtung, für die er als Management Supervisor Digitale Strategie tätig ist, gehört für die Absatzwirtschaft zu den Top 5 Agenturen, die Social Media anbieten. Von 2006 bis 2009 war er Head of Social Media Europe bei Edelman.

Blog: http://haltungsturnen.de
Lifestream: http://luenenbuerger.de
Twitter: http://twitter.com/luebue

Aktuelle Kommentare

23.02.2011 09:17

Carsten Rossi

Ich sehe das eher als eine Frage der Spezialisierung, vielleicht durch den speziellen Hintergrund meiner Agentur. Wir kümmern uns um Unternehmenskommunikation und kein Kommunikator aus diesem Feld, der halbwegs bei Sinnen ist, lässt Werber ernsthaft an seine wichtigsten Stakeholder, seien es Partner, Analysten, Mitarbeiter, die "Öffentlichkeit" oder Journalisten. Social-Media Kompetenz hilft da nicht weiter. Insofern arbeiten wir weiter und bisher ohne Konkurrenzdruck (aus der Werbung oder von Interaktivagenturen) an den besten Konzepten für eine dialogische Unternehmenskommunikation.

23.02.2011 09:58

Christian Henne

Meine Sichtweise gilt dem Consumer Marketing:

Das Internet ändert eine Sache radikal - und das übrigens schon länger. Inhalte, klassische Werbung, direkter Abverkauf - das passiert so eng nebeneinander, teilweise auf der gleichen Website.

Unternehmen mögen hier Trennlinien ziehen - die Menschen tun dies zunehmend weniger. Sie konsumieren coole Videos, auch wenn sie werblich sind. Sie lesen sich Texte durch, wenn sie relevant sind, sie klicken auf ein Sonderangebot, wenn sie es für attraktiv halten.

Erfolgreich wird das Unternehmen sein, welches die Dinge miteinander in Verbindung bringt. Intern wie extern. Gleiches gilt dann für Agenturen.

Die Werbung hat in den letzten Jahren erfahren müssen, dass sich ihre Disziplin radikal ändert. Die PR sollte nicht den Fehler machen, jetzt zu jubeln, dass sie endlich wichtig ist, sondern deutlich zu machen, welches Potenzial sie hat.

23.02.2011 10:34

Carsten Rossi

@christian Da ist sicher etwas wahres dran. Aber wenn auch eine Trennung nach Disziplinen zusehends weniger Sinn macht, so doch sicherlich weiterhin die nach Stakeholdern und ihren Erwartungen. Und vor deren Hintergrund sind unterschiedliche Skills gefragt, die in den einzelnen Disziplinen unterschiedlich stark entwickelt sind. Es kann immer nur darum gehen, den oder die besten für den Job zu finden.

24.02.2011 17:53

Mirko Lange

PR-Agentur. Social Media Agentur. Werbeagentur. Scheiß doch drauf, was drauf steht. Jeder macht das, was er kann. So einfach ist das.

 
Anzeige: 1 - 4 von 4.
 

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.