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Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

02/2014

Editorial 02/2014: ADAC

Vom Gau zum GAU

Milliardenschäden durch billige Kommunikation?
Ist der Skandal die Quittung für Pressezensur?
Dürfen Gegner der freien Presse in Vorstände?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. 250.000 Euro sind verdammt viel Geld. Aber 250.000 Euro als Jahreseinkommen für den Kommunikationsverantwortlichen eines Konzerns mit mehr als zwei Milliarden Umsatz? Genau. Nur ein Narr wird in einem Wirtschaftsunternehmen dieser Größe für dieses Gehalt Professionalität, Souveränität und Integrität erwarten. Von kreativer oder sozialer Kompetenz ganz zu schweigen. 250.000 Euro – so viel zahlte angeblich der ADAC seinem ehemaligen PR-Chef Michael Ramstetter.

Die wichtigste Aufgabe eines ADAC-Kommunikationschefs wäre es gewesen, konsequent die gesellschaftliche Entwicklung innerhalb der Organisation zu verbreiten, damit der Verein zukunftsfähig bleibt. Das ist anspruchsvoll. Das geht nicht, ohne jederzeit mit der Kündigung durch den CEO oder Präsidenten zu rechnen, weil diese Prozesse unbequem sind. Das geht nicht, ohne kündigen zu können, wenn die Kommunikationsstrategie blockiert wird. Das geht nicht mit diesem Jahresgehalt, ohne dass es finanziell wehtut.

Für dieses Gehalt arbeitete beim ADAC ein rumbrüllender Presseabwehr-Offizier (Süddeutsche Zeitung, 14. Januar) unter einem Präsidenten, der weder den Artikel 5 unseres Grundgesetzes akzeptieren mag, noch die Existenz von recherchierenden Journalisten für nötig hält (prmagazin 08/2013). Der ADAC ist ein Großkonzern, der vom Staat, den Gremien und den leitenden Mitarbeitern wie eine „Frittenbude“ (stern, 23. Januar) behandelt und geführt wurde. Nur so ist die Entschuldigung von ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair, dass „Herr Ramstetter“ für ihn „in diesen Stunden [der Krise] nicht greifbar“ war (Spiegel Online, 22. Januar) keine Lachnummer. Stellen wir uns spaßeshalber einen Dax-Vorstand vor, dem diese Worte über die Lippen kämen. Pardon, aber allein das ist ein Rücktrittsgrund.

Der Club ist aus der Zeit gefallen. Das Geschäftsmodell und das bislang konkurrenzlos positive Image basierten nur auf dem Einsatz der vielen Nothelfer und Ehrenamtlichen vor Ort. Und die versucht der hilflose Obermair in seiner kreidegefärbten Verteidigungsstrategie erneut zu mobilisieren. Die Fälschung der Umfrageergebnisse beim „Gelben Engel“ ist dabei nur der relativ kleine Auslöser schlummernder struktureller Probleme: Wer glaubt (und kontrolliert) denn ernsthaft die absoluten Zahlen der vielen Leserwahlen zu Autos, Uhren, Fertighäusern, Investmentfonds oder – Pressesprechern? Einzig den Staatsanwalt könnten, im Hinblick auf Motivationen zur Anzeigenschaltung, gefälschte Rückläufe schon interessieren ...
Unser Leben, unsere Gesellschaft basieren auf Vertrauen. Vertrauen aufzubauen, es zu erhalten und auszubauen, ist die wichtigste und teuerste Investition. Ohne unbequeme Kommunikationsprofis funktioniert das nicht.

Die Februar-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:

Überlegene Disziplin?:
„PR kann Marken schützen, Werbung nicht“, meint Richard Edelman

Heikler Spagat: Aufsichtsräte sind bei Medien gefragt. Wer zu viel redet, macht sich strafbar


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