Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

03/2016

Editorial 03/2016: Compliance

Umdenken!

Wieso funktioniert Compliance so selten?
Fehlt den Kommunikatoren der Mut?
Oder werden sie zu Handlangern degradiert?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Siemens, Thyssen, MAN, Volkswagen, FIFA oder die Deutsche Bank sind inzwischen Synonyme für das Versagen von Kontrollmechanismen in Organisationen. Sie generierten eine ungebrochene Nachfrage nach externen und internen Kontrolleuren. Anwaltskanzleien und spezialisierte Wirtschaftsberatungen kassieren ebenso Millionenhonorare wie spezialisierte Kriminale, die ins Wirtschaftsleben gewechselt sind.

Und trotzdem schätzen Experten, dass höchstens bei der Hälfte der größten deutschen Unternehmen die Compliance im Tagesgeschäft vernünftig funktioniert. Wenn von offizieller Seite ermittelt wird, ist der Spielraum für die Aktivitäten der internen und externen Ermittler naturgemäß groß. In der Regel geht es aber ausschließlich darum, die Verantwortlichen für Gesetzesverstöße dingfest zu machen. Das Ziel ist ein brutaler Reinigungsprozess der Institution. Meist die einzige Chance für ihre weitere Existenz.

Die Herausforderung muss aber sein, die Inhalte langfristig in die Abläufe einzubinden. Sonst sind die Moralwächter lediglich eine Feuerwehr, die immer erst gerufen wird, wenn der Rauch nicht mehr zu übersehen ist. Und genau hier ist die Schnittstelle zur Unternehmenskommunikation. Diese ist meist in die Abläufe integriert und damit in der Lage, korrigierend einzugreifen, bevor es knallt. Fast jeder PR-GAU hatte seine Ursache in der fehlenden Einbindung der Kommunikatoren – oder in deren fehlendem Einfluss und Mut. Auch die Ziele der PR sind definier- und messbar, so dass auch die Mitarbeiter und Gewerkschaften ihren Wert einschätzen können.

Genau da stecken die Hüter der Unternehmensregeln noch in den Kinderschuhen. Ihre Aufgaben und Ziele sind absolut unklar und von Stimmungslagen abhängig. Warum? Weil sich die Ermittler in alles einmischen können. Und das tun sie auch. Am liebsten (und am sichtbarsten) immer dann, wenn Kontakt mit Partnern des Unternehmens, egal ob Journalisten, Politiker, Kunden oder Lieferanten, außerhalb des Konferenzraums ansteht. Wenn Aktivitäten in einem Rahmen präsentiert werden, der den Stil, die Haltung und den Anspruch der Institution im gesellschaftlichen Rahmen präsentieren soll – wir wissen, was ich meine.

In dieser unklaren Situation fällt theoretisch eine ganze Menge aus „Korruptionspräventionsgründen“ durch das Raster der Kontrolleure (sogar der/die Assistent/in, der/die nicht wegen inhaltlicher Qualifikation bei dem Präsentationstermin anwesend ist, sondern optisch überzeugt). Und genau deshalb werden sinnvolle Aufgaben der Compliance im besten Fall negiert. Schlimmstenfalls trickreich umschifft – wozu gibt es denn Agenturen ...?

Das Ziel, saubere Abläufe im Unternehmen nicht an einen „Schweinezyklus“ aus Entdeckung und Aufarbeitung zu koppeln, sondern durchgängig zu verankern, braucht die Kommunikation. Dabei darf die PR-Truppe aber nicht auf die Aufgabe reduziert werden, die Vorgaben der „Sittenwächter“ technisch umzusetzen. Sie muss mutig und einflussreich mitgestalten.

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