Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

05/2016

Editorial 05/2016: Interview-Autorisierung

Was Ihr Wollt!

Revolution oder Petitesse?
Was bringt der Hype um Interview-Autorisierung?
Braucht es überhaupt noch Richtlinien?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Wenn die Themen, die gerade in der Branche die Agenda bestimmen, Aussagen über den Zustand und die Perspektiven zulassen, muss es Journalisten und PR-Leuten erstaunlich gut gehen. Warum? Ganz einfach, es scheint nichts Wichtigeres zu geben, als die Frage nach der Autorisierung von Interviews. Aufgeworfen hat dieses Thema die neue Allianz-Chefkommunikatorin Sabia Schwarzer. Sie erklärte im Dezember im prmagazin, dass bei Interviews mit sämtlichen Allianz-Vorständen künftig das gesprochene Wort gelte. Schluss mit Abstimmung oder Autorisierung von Zitaten.

Offensichtlich ist sie mit diesem Vorstoß in den Rabatten penibelst gepflegter Vorgärten der Redaktionen und PR-Stuben herumgetrampelt. Anders ist die breite Diskussion, die dieser Petitesse folgte, nicht zu erklären. Zuallererst meldeten sich die Kollegen der neuen Münchner PR-Chefin zu Wort. Mit irritierter Ungläubigkeit wurde die langjährige Interviewpraxis wortreich verteidigt, aber auch Chancen und Risiken dieses „revolutionären“ Wegs abgewogen. Trotzdem, der erfolgreich eingefahrene Weg der vergangenen Jahrzehnte scheint zementiert.

Dann mischten sich auch Journalisten in die Diskussion ein. Nicht irgendwelche, sondern die Crème de la Crème der Wirtschaftspresse. Auch sie sehen grundsätzlich keine Veranlassung für diesen radikalen Schritt und reichen ihre Interviews gern, auch ohne dazu verpflichtet zu sein, zum Gegenlesen an die Pressestellen. Schadet ja auch niemandem.

Zum Glück erlaubt, toleriert und fordert unsere Medienwelt alle Spielarten. Dass Firmensprecher höllisch aufpassen müssen, wenn sie einem schwedischen Journalisten am Telefon „Guten Tag“ sagen, steht auf einem anderen Blatt. Denn die schwedischen Medien bringen alles eins zu eins, was sie in die Hände bekommen. Ohne Vorwarnung, Abstimmung oder gar Autorisierung.

Das Ergebnis ist die gepflegte Langeweile angelsächsischer Sprachautomaten, die nur leere, aber druckreife Worthülsen verbreiten. So wird das PR-Ziel verpasst, da diese Null-Botschafter keine Zuhörer mehr haben. In Deutschland kann jeder PR-ler mit jedem Journalisten sein Agreement treffen. Niemand braucht noch eine überflüssige Richtlinie. Logisch, ein „sprechsicherer“ Vorstand hat die Schriftform seines Interviews in einer Minute durchgewunken. Der schwadronierende Schwafler bereitet dagegen Kopfschmerzen. Allen!

In der Medienwelle nach unserem Interview mit dem damaligen BER-Pressesprecher Daniel Abbou wurden wir häufig gefragt, ob dies denn alles autorisiert gewesen sei. Unsere Antwort ist: Alle Beteiligten waren Profis, die sehr genau wussten, was sie tun. Und ja, das ist alles ganz klassisch abgelaufen.

In allen Medienformen muss das gute, richtige und spannende Interview die Richtschnur sein. Wie es zustande gekommen ist, interessiert niemanden. Aber jede Wette, in den nächsten Jahren wird Sabia Schwarzer irgendwann einmal mit einem wichtigen Journalisten ein vertrauliches Gespräch mit ihrem Chef Oliver Bäte führen, das zu einem Interview werden könnte. Und natürlich wird sie vor der Veröffentlichung den Text zu sehen kriegen. Und natürlich werden inhaltlich vertretbare Korrekturen vor der Veröffentlichung drin sein. Warum? Weil alle Beteiligten das nächste gute Interview bringen wollen. Wetten, auch wenn wir es nie erfahren werden?

Die Mai-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
● Schneller und flexibler: Unternehmen setzen verstärkt auf agiles Arbeiten in Projektteams
● Zurück auf Los:
Uta Behnke soll Golin hierzulande zu neuer Größe führen

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