Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

05/2016

Editorial 06/2016: Bayer/Monsanto

Vorsicht, Nebenwirkungen!

Steht das PR-Konzept?
Was wird aus der Bayer AG?
Zieht die Öffentlichkeit mit?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Wenn wir zurzeit über die Mammutaufgabe in der Kommunikationsbranche reden, fallen uns Großbaustellen wie Volkswagen oder die Deutsche Bank ein. Beide Jobs sind für die Kollegen in den Kommunikationsstäben sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Was diese Mammutaufgaben gemeinsam haben, ist die Krise. Über Nacht entstanden oder über lange Jahre fast unbemerkt an der eigenen Brust genährt.

Da sind PR-Profis mit Rückgrat gefragt, die sich vor allem intern durchsetzen können, sich nicht freiwillig dem Diktat der Juristen unterwerfen und ohne handwerkliche Fehler ihren Job machen. Viel Arbeit, aber machbar. Vor allem, wenn das Unternehmen die gewachsenen Werte im Auge behält und bei einem Strukturwandel alle Beteiligten einbindet.

Vor dieser Mammutaufgabe steht jetzt die Bayer AG. Bis gestern war das noch ein Unternehmen, das „verstanden“ worden ist. Sogar systemimmanente Dauerbaustellen im Pflanzenschutz und der Pharmazie konnten am Image des Konzerns, das Marijn Dekkers in den letzten fünfeinhalb Jahren weiterentwickelte, kaum Kratzer hinterlassen. Das hat sich mit dem Übernahmeangebot an Monsanto schlagartig geändert. Monsanto ist im Vergleich mit Bayer die „dark side of the moon“. Monsanto ist das Synonym für riskante Umweltexperimente und Geschäftspolitik ohne Moral.

Bayer mag ein berechenbares wirtschaftliches Interesse haben, sich den US-Konzern einzuverleiben, und die Finanzmanager des Unternehmens werden das auch mit Leib und Seele vertreten. Die Mammutaufgabe für die Bayer-Kommunikation wird aber gerade deshalb darin bestehen, diesem Management beizubringen, dass der Rest der Welt (zumindest in Deutschland) sich verwundert am Kopf kratzt und Sorgen um die „gute“ Bayer AG macht.

Dieses Übernahmethema ist viel elementarer als die Schlacht zwischen Porsche und Volkswagen je war. Da ging es nur um viel Geld und Macht – für die Öffentlichkeit eine Seifenoper. Die Autos blieben die gleichen, die Markenidentität auch, wie die steigenden Zulassungszahlen aus Stuttgart belegten. Sollte Bayer Monsanto tatsächlich übernehmen können, muss über Nacht ein neues Unternehmen mit weltweit nachvollziehbaren Inhalten, Werten und Zielen entwickelt und kommuniziert werden. Die Bayer-Welt wird sich verändern – die Bayer-Werte sollten gehegt und gepflegt werden.

Werner Baumann ist vor wenigen Wochen vom Stuhl des Strategie- und Portfoliovorstands auf den Vorstandssessel gewechselt. Bei diesem Mammutthema wird sich zeigen, ob er das Zeug zum Unternehmenspolitiker hat. Ob er in der Synergieberechnung den Wert des Unternehmensimages als Faktor für den Erfolg seriös im Blick hat. Oder ob er nur ein paar Extramillionen für „Politurmaßnahmen“ kalkuliert – dann könnte in ein paar Jahren klassische Krisen-PR nötig werden.

Die Juni-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
● Berater im Neuland: Wie gut sind die Agenturen aufs Digitalzeitalter eingestellt?
● Raus damit!: J+K bläst zum Angriff auf Hering Schuppener und CNC.

Möchten Sie das prmagazin testen? Bestellen Sie ein Probeabo.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.