Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

07/2015

Editorial 07/2015: Aufsichtsräte

Vom Aufsichtsrat zum Medienstar?

Compliance auf dem Holzweg?
Freiwild im Mediendschungel?
Können persönliche Berater die Klappe halten?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Was ist eigentlich aus dem guten, alten Aufsichtsrat geworden? Dem väterlichen Ratgeber, der ganz diskret die Strippen zieht und sorgsam die nachwachsende Elite für die Vorstandsvakanzen hochpäppelt? Das war einmal. Das war die alte Deutschland AG. Seit einiger Zeit sind die Aufsichtsräte der börsennotierten Konzerne selbst Objekt bei unternehmerischen Entscheidungen. Wir müssen nur an ThyssenKrupp, Siemens, Volkswagen oder die Deutsche Bank denken: Der AR-Chef war immer die Schlüsselfigur für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Die speziellen Usancen des deutschen Mitbestimmungsmodells, die Unterschiede zwischen Großkapital in Familienbesitz oder Staatseigentum zu breitem Streubesitz oder ausländischen Investoren sind für die Medien ein gefundenes Fressen. Inzwischen kümmert sich sogar die Boulevardpresse darum – die Berichterstattung der Bild am Sonntag könnte in der Causa Piëch/Winterkorn genauso entscheidend gewesen sein wie bei der Deutschen Bank und ThyssenKrupp.

Die Aufsichtsräte werden für die Agenda der Medien immer spannender. Compliance-Regelungen zur Berufung, zu Vergütungen, Multifunktionen oder Qualifikationen werden ausgeschlachtet. Da Aufsichtsräte sich bei kontroversen Themen nicht hinter dem Unternehmen verstecken können, werden sie von der Presse als Personen gejagt. Damit sind sie im Mediendschungel beliebtes Freiwild. Nichts ist einfacher für Journalisten, als diesem Kreis am Telefon ein blödes Zitat zu entlocken. Die Konsequenz: Mitglieder des Aufsichtsrats brauchen ein Kommunikationskonzept und professionelle Unterstützung. Besonders der Chef, der grob fahrlässig agiert, wenn die medienrelevanten Aktivitäten ausschließlich von juristischem Sachverstand geprägt sind. Doch dann treten sofort die Hüter der Compliance auf den Plan: Aufsichtsräte können nicht in den Genuss der Beratung durch Topprofis der Unternehmenskommunikation kommen, weil ganz andere Interessen zu wahren wären, als sie die Mitarbeiter des Unternehmensvorstands vertreten.

Das ist grober Unfug. Nichts ist schädlicher für das Unternehmen als der Verlust der One-Voice-Policy. Und dem Unternehmenswohl ist auch der Aufsichtsrat verpflichtet. Allerdings kann niemand Mitglieder dieses Gremiums daran hindern, sich persönlich in Sachen PR beraten zu lassen. Das wäre vielleicht in manchen Fällen klug gewesen. Allerdings müssen die Berater dann die Klappe halten (was vielen schwerfällt), sonst liefert man die nächste überflüssige Schlagzeile frei Haus.

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