Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

10/2010

Editorial: Dienstleister

Nachhaltiger Irrtum

Thomas Rommerskirchen

An dieser Stelle möchte ich einmal eine Lanze brechen für Agenturen, Zulieferer und Berater der Kommunikationsbranche. Der Grund: Als Folge der Sparrunden in der Industrie, die sicher kräftig zur Erholung der deutschen Konjunktur beitrugen, hat sich in einigen PR-Chefetagen eine schädliche Attitüde breit­ gemacht. Es geht um die Einstellung zu Dienstleistern. Nicht selten erzählen PR-Manager mir, die Externen seien „20 Stunden am Tag für einen da“, selbstverständlich auch an Sonntagen. Und zu Preisen – lächerlich ... Das erinnert an den ehemaligen Telekom-Kommunikationschef Jürgen Kindervater, der mit blitzenden Augen von seiner Agenturchefin berichtete, die mit Bandscheibenvorfall auf dem Teppich liegend Pressemitteilungen verfasste. Ungesund – für alle.

Die gesamte Wirtschaft muss sparen. Das ist nicht das Thema. Das Thema ist, wie die Kommunikationsleute in den Unternehmen diese Rahmenbedingungen umsetzen. Wie der interne Druck durch Controlling, Budget- und Personalgeschacher sowie unsittliches Finanzmanagement nach außen weitergegeben wird. Denn die Konsequenz wird meist direkt nach der Analyse beklagt: die schlechte Qualität der Agenturen und Berater. Kaum ein PR-ler freut sich über Entlastung, kreative Anstöße oder reibungslose Abwicklungen. Sie managen verlängerte Werkbänke – sonst nichts.

Das geht auf Kosten von Projekten und Kampagnen – und damit auf Kosten der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts. Ähnlich problematisch wie der Ingenieursmangel und der Verzicht auf Zukunftstechnologien, nur nachhaltiger, weil sich in der Kommunikation strategische Ziele manifestieren. Das Dreieck aus Kundenzufriedenheit, Erfolg an den Aktienmärkten und glücklichen Mitarbeitern ist in den großen Unternehmen spätestens seit der Wirtschaftskrise das Rezept zum Überleben. Vielleicht sollte mit den Partnern, Zulieferern und Beratern aus dem Dreieck ein Quadrat gebildet werden. Dann könnte das Unwort „Dienstleistungsmentalität“ aus der Branche verschwinden.

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