Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

10/2016

Editorial 10/2016: Volkswagen

Grüße vom Pudel

Gast auf der eigenen Veranstaltung?
Symbolkraft unterschätzt?
Platzt der Konzern auseinander?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

Wenn wir in den Medien lesen, dass die Volkswagen-Kommunikation den Dieselskandal hartnäckig mit „Thematik“ umschreibt, klingt das hilflos. Wenn wir dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller bei Interviews oder Statements lauschen, wie er mühsam die „Thematik“ auf Fragen zum Betrug ins Spiel bringt, kommt schon Mitleid auf.

Das ist aber noch harmlos, da diese Zitate in relativ unabhängigen Medien veröffentlicht und häufig auch kommentiert werden. Man lächelt den plumpen Schönsprech-Versuch der VW-Kommunikatoren genervt beiseite.

Schlimm wird es, wenn man VW-eigene Medien in die Hände kriegt. So hat die Markenkommunikation der Wolfsburger die Mitarbeiterzeitung „autogramm“ nach dem Dieselskandal neu (schön bunt und auf edlem Papier) gestaltet. Und umbenannt. Das Blatt heißt jetzt „inside“ und will nur noch die Mitarbeiter der Marke Volkswagen erreichen.

Mit dieser rosaroten „Wundertüte“ versucht das Team um VW-Markenkommunikationschef Stefan Ohletz eine heile Welt an den Mann zu bringen. Das folgt konsequent dem persönlichen Konzept des Duos Matthias Müller und seines PR-Getreuen Hans-Gerd Bode. Die wollen nur noch für den Gesamtkonzern da sein, da der alte Markenrest (mit seiner lästigen „Dieselthematik“) für Misstöne in der Zukunftsmelodie sorgen könnte. „Die sind nur noch als Gast auf der eigenen Veranstaltung“ unterwegs, so ein VW-Insider.

Ganz im Sinne dieses Tarnmanövers wird auch die Umwidmung der frisch renovierten VW-Verwaltung vollzogen. Dort zieht nicht mehr, wie ursprünglich geplant, die Konzernverwaltung ein, sondern es wird das Haus der „Marke“ Volkswagen. Und, ganz im Sinne der neuen Transparenz, durften die Mitarbeiter Vorschläge für den Namen des neuen Markendomizils einreichen. Der Vorschlag von drei Mitarbeitern, das Haus „Markenhochhaus“ zu nennen, wurde von der Jury (bestehend aus der Internen Kommunikation und dem Markenvorstand) ausgewählt.

Bis jetzt wäre es eine alberne Geschichte aus dem Alltag billiger PR-Kosmetik. Aber das stadtbildende Gebäude lässt sich nicht so einfach in Täuschungsmanöver einbinden. Wolfsburg brodelt, der Betriebsrat tobt, die Mitarbeiter erkennen das Manöver: Sie durchschauen den Versuch von Matthias Müller, den Konzern, der immer noch an der Weltspitze ist, in überschaubare Kleinparzellen aufzuteilen.

Wie glaubwürdig und erfolgversprechend es für einen Weltkonzern in einer Transformationsphase sein wird, Propagandamechanismen des vergangenen Jahrhunderts einzusetzen, werden die nächsten Monate zeigen. Man kann sich nicht ewig hinter Schweigegelübden verstecken, wenn es viel zu sagen gibt und die Öffentlichkeit auf Antworten und Interpretationen bei markenübergreifenden Konzernthemen wartet.

Bei der „Wahl“ des Hochhausnamens haben die Verantwortlichen auch den Vorschlag von Pavel Daciuk aus Polen veröffentlicht. Er votierte für „Der Kern“. Vielleicht dachten die Redakteure an ein Pleuellager statt an Goethes Faust. So wird dann doch Mitleid imagebildend – für den ganzen Konzern.

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