Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

11/2010

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Editorial: Stuttgart 21

Generationen-PR

Thomas Rommerskirchen

Kommunikationsfehler, Versäumnisse in der Öffentlichkeitsarbeit, unzureichende Informationspolitik. Das waren die Schlagwörter, mit denen in den vergangenen Wochen Protagonisten und Gegner des Bahnhofsumbaus in Stuttgart die unerklärliche Situation zu erklären versuchten. Ein billiger Reflex, wenn man unterstellt, dass die PR-Profis nicht smart genug gewesen wären, das passende Werkzeug aus dem Kasten zu holen. Die einzige Erklärung könnte sein, dass die Meister der Branche im Fall Stuttgart 21 keinen Auftrag hatten. Wenn man überlegt, welche gigantischen Manipulationen den Spindoctors in letzter Zeit nachgesagt worden sind – dieses schwäbische Volksstück wäre mit der B-Mannschaft locker über die Bühne gegangen.

Unverdrossen wird jedoch mit PR-Mitteln versucht, das Projekt wieder aufs Gleis zu setzen. Dass die Münchner Finanzagentur CNC nun auf der Betreiberseite ein gutes Dutzend Auftraggeber(-interessen) unter einen Hut und zum Erfolg bringen wird, scheint ausgeschlossen. CNC-Chef Christoph Walther wird damit – nach Conergy, Air Berlin und Schaeffler – einen weiteren Flop sammeln. Denn dieser Auftrag ist eine „mission impossible“. Die Dynamik der Volksbewegung scheint nicht mehr aufzuhalten. Folgerichtig ist die Aufgabe der Kommunikationsberater, den Betreibern beizubiegen, dass sie, bitte sehr, das Volk jetzt abstimmen lassen sollen. Einfach mal so – auch ohne rechtliche Legitimation. Dann kann jeder für sein Anliegen trommeln. Ein einfacher Rat. Schnell. Effektiv. Bringt natürlich nicht die branchenübliche Beraterrendite und keine PR-Preise.

Aber zurück zur Frage, ob es Fehler gab. Fehler im Sinne des klassischen Einsatzes der Kommunikation sicher nicht. Aber Stuttgart 21 beweist die Notwendigkeit neuer PR-Ansätze. Public Relations müssen langfristig sein. Das lernen alle im Studium, in den Agenturen und Unternehmen. Aber dass Kommunikation über den Generationswechsel hinaus angelegt werden muss, ist neu. Die Herausforderung ist, die heute 30-Jährigen zu begeistern und diese Zielgruppe mit wechselnden Argumenten, Medien, Personen und politischen Rahmenbedingungen bei der Stange zu halten, bis sie 70 sind. Was wäre, wenn jemand vor 20 Jahren auf die Idee gekommen wäre, den Stuttgartern Optionsscheine auf das neue Bauland zu geben?

Realisierbar ist das, wenn Großprojekte künftig zusätzlich mit Stiftungskapital ausgestattet werden, das die politisch unabhängige Kommunikation garantiert. Und wenn man von Anfang an den studentischen Demonstranten oder den dynamischen Jungmanager als Frührentner im Auge hat.

 

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