Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

11/2016

Editorial 11/2016: Managementkultur

Das Horst-Prinzip

Flucht ins Anonyme?
YouTube statt persönlicher Präsenz?
Ohne Werte in der Robo-PR?

Im ägyptischen Robinson-Club „Soma Bay“ gibt es Horst. Horst ist weit über 70 Jahre alt und hat vor zehn Jahren die Seiten gewechselt. Vom Gast zum Mitarbeiter, der einfach mithelfen wollte. Heute ist Horst das Gesicht des Ferien-Clubs. Und er verkörpert ein Kommunikationskonzept, das in den meisten Unternehmen und Institutionen verdrängt oder auf diffusen Wegen in der virtuellen Realität platziert wurde.

Horst hatte zu Beginn seiner Tätigkeit sicher keine Job-Description, schon gar kein Budget, von Reporting und Controlling ganz zu schweigen. Horst ließ sich mit der damaligen Club-Leitung auf einen Versuch ein – ein Fremdwort in der deutschen Managementkultur (http://www.zeit.de/2014/48/robinson-club-aegypten-animateur).

Damit füllt er ein Vakuum. Die Namen und Gesichter der Club-Manager sind trotz permanenter Mühen, ihnen etwas Persönlichkeit zu vermitteln, schnell vergessen. Horst hingegen steht für die ganz einfachen, aber elementaren Sachen: Haltung, Anstand, Stil und Würde.

Auf dieser Grundlage wachsen Vertrauen und Sicherheit, sodass relativ schnell der Buchungsrückgang nach der Revolution in Ägypten vergessen war. Nicht wegen Pressemitteilungen oder Werbung, sondern wegen Horst. Wenn er da ist und sagt, es sei sicher, zählt das tausendmal mehr als jede Reiseempfehlung auswärtiger Ämter oder Veranstalter.

Horst steht für die vergessenen und verdrängten Werte der Industrie. Die Kommunikatoren sind nicht nur bei Volkswagen oder der Deutschen Bank unsichtbar geworden und im internen Mahlwerk verschwunden. Wie wäre der Krisenstand in Wolfsburg, wenn Fritz Huschke von Hanstein dort der Horst wäre? Oder Albert Oeckl (sorry, ja) in der Chemie? Oder Klaus Bölling in der Politik?

Die Managementkultur hat viele Menschen in der PR durch die Einbindung in bürokratische Funktionen, die mit ihrer Aufgabe nichts mehr zu tun haben, im Kern wertlos gemacht und entmündigt. Ich stelle mir Horst in einer Budgetdiskussion mit „Einkauf und Beschaffung“ vor. Er hätte sich wahrscheinlich nach fünf Minuten höflich verabschiedet – und dann wäre es teuer geworden.

Die November-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
● voestalpine: Peter Felsbach begleitet mit seiner Mannschaft den Internationalisierungskurs des Stahlkonzerns.
● Bundesamt für Migration: Andrea Brinkmann über voreilige Medienurteile und Ex-Minister zu Guttenberg.

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