Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

1/2010

Editorial: Klimagipfel

Mutig oder peinlich?

Thomas Rommerskirchen

Ist es mutig, in der Kommunikation Zeichen zu setzen, auch wenn die Aussagen meilenweit von der (heutigen) Realität entfernt sind? Ist es mutig, wie Siemens und RWE vor dem Kopenhagener Gipfelfiasko engagiert Flagge zu zeigen? Sich wie BMW und BDI auf die Veranstaltung von „Side Events“ einzulassen, die im Chaos versinken oder – wie im Fall des Industrieverbands – in letzter Sekunde gecancelt werden?

Wann immer den Medien in den Gipfeltagen der Stoff ausging, geißelten sie die PR-Engagements als „Greenwashing“ – als Vernebelungstaktik, um von den Sauereien abzulenken. Der Vorwurf lässt einen wichtigen Aspekt außer Acht: die tatsächliche interne und externe Signalwirkung der Botschaften. Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt wie RWE-Chef Jürgen Großmann mit seinem grünen Kuschelmonster (angeblich kam ihm die Idee höchstpersönlich beim Duschen), setzt sich freiwillig selbst unter Zugzwang. Wenn irgendwann herauskommt, dass Unternehmen, die den umfassenden Wertewandel propagieren, die Werbemillionen für Tünche verschleudert haben, dann tritt ihnen das eigene grüne Monster womöglich kräftig auf die Füße.

Dass einige Industrieunternehmen und der BDI mutig genug waren, den Klimagipfel nicht gönnerhaft zu ignorieren, sondern zu partizipieren, kann deshalb nicht positiv genug bewertet werden. Auch wenn Autos, Strom und Computer natürlich nicht ab morgen emissionsfrei sein werden – egal ob Strom oder Diesel oder Benzin oder Sonne uns antreibt. Der eigentliche Skandal ist, dass der BDI wegen des Organisationschaos’ seine Zelte vorzeitig abbrechen musste, wenngleich darüber in den Medien nur vereinzelt zu lesen war.

In den kommenden Jahren wird es kaum ein komplexeres Thema geben, das quasi nebenbei auch die Wachstums- und Wertediskussion in unserer Region entscheidend bestimmt. Es wäre hilfreich, auf den mündigen Bürger zu setzen und vernünftige Ziele zu definieren. Also: Coca-Cola ersetzt alle FCKW-belasteten Kühlschränke weltweit in einem nachvollziehbaren Zeitraum. Die Energiewirtschaft reduziert den CO2-Ausstoß. Die Autobauer den Flotten- und die Computerhersteller den Energieverbrauch ihrer Geräte. Dann wäre der „Greenwashing“-Vorwurf entschärft.

Die Aktion von McDonald’s, das Firmenlogo aus „Achtung vor der Umwelt“ von Rot in Grün zu ändern, beantwortet die Eingangsfrage: peinliche Werbung! Sehr, sehr peinliche Werbung. Mit Unternehmenskommunikation hat das nichts zu tun.

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