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Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

12/2015

Editorial 12/2015: China

Ritt auf dem Drachen

PR muss das volle Repertoire auffahren!
Produkt-PR zu billig?
Chinesische Medienstrukturen ignoriert?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

In China ist der Startschuss für eine Kommunikationsoffensive gefallen. Unter dem Slogan „One Belt, One Road“ wird die Volksrepublik die Handels- und Wirtschaftswege der alten Seidenstraße reaktivieren. Damit sollen neue Märkte gewonnen, aber auch der Warentransfer neu gedacht werden. Die logistische Welt wächst enger zusammen.

Das geht nicht ohne funktionierende Kommunikationsstrukturen. Während in China die PR-Maschinerie angelaufen ist, stecken viele deutsche Unternehmen noch in den Fängen simpler Produkt-PR – nach dem Motto „Produkte auf Hochglanz zeigen, kräftig werben und den Chinesen verkaufen“. Diese Einbahnstraße funktioniert nicht mehr lange. China verlangt jetzt, verstärkt durch den VW-Skandal, nicht nach Produktbeschreibungen, sondern nach tiefen, umfassenden Inhalten.

Schon heute will die Bevölkerung das PR-Rundum-Paket. Informationen über die Kultur, die Herkunft, die Forschung, das soziale Engagement, die Produktionsbedingungen, die Nachhaltigkeit, das Umweltprogramm der Firmen. Zehntausende von Multiplikatoren, an erster Stelle die Journalisten des Medienriesen Xinhua, warten auf den Input aus Deutschland. Die Wege zu den Kolleginnen und Kollegen sind frei, nicht nur in den mehr als 150 Auslandsredaktionen, sondern auch vor Ort.

Das Problem ist nur: Wer weiß denn eigentlich, was Xinhua ist? Welche Spezialdienste, vergleichbar Reuters und Bloomberg, existieren? Welche Medien in China zu diesem Konzern gehören? Welche Start-ups Anfang kommenden Jahres gegründet werden und wie das die Rollen im internationalen Geschäft neu verteilen wird? Googeln Sie doch mal ...

Die chinesische Medienlandschaft ist offen für die klassischen Hintergrundinformationen. Und sie werden antreten, um den deutschen Medien die gleichen Informationen aus chinesischen Unternehmen zu präsentieren. Von Huawei über Alibaba bis zur Bank of China. Wer jetzt schnell startet, sichert langfristig eine solide Basis für sein Unternehmen.

Die medialen Instrumente sind vorhanden, von den klassischen Medien bis zur perfekten Digitalisierung. Geschäftliche Kommunikation läuft in China schon lange über WeChat. Der Messaging-Dienst hat weltweit bereits mehr als 650 Millionen Nutzer und könnte unseren „Sozialspielzeugen“ WhatsApp und Facebook in nicht allzu ferner Zukunft den Rang ablaufen.

Aber auch Kooperationsformate wie medienbegleitete Kongresse nach dem Muster von Handelsblatt oder SZ können bespielt werden. Wir werden schnell feststellen, dass die chinesischen Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion dann nicht nur besser über die Produkte informieren als viele deutsche Journalisten, sondern auch die Unternehmensbotschaften nachhaltig platzieren.

Und dann ist da noch die bemerkenswerte Rolle des Xinhua-Netzwerks in China. Sobald ein Journalist von Korruption, Bestechung oder Betrug in den entlegensten Provinzen erfährt, wird es der Nachrichtenzentrale in Peking gemeldet. Das geht schneller und effektiver als offizielle Beschwerde- oder Rechtswege. Angeordnet hat das Ministerpräsident Xi Jinping persönlich, weil er aufräumen will. Es funktioniert, weil diese Meldungen inzwischen eine Garantie für die Karriere der Journalisten sind.

P.S.: Der Direktor des Economic Information Departments der Xinhua News Agency, Jiao Ran, hat mich gebeten, die deutschen Kommunikationsprofis zum partnerschaftlichen Dialog und gemeinsamen Aktionen einzuladen. Das ist hiermit geschehen.

Die Dezember-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
● „Jeder ist Kommunikator“: Sabia Schwarzer lebt bei der Allianz den Kulturwandel vor
● Nutzwert zählt:
Das sollten Sie über Wearables wissen

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