Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

2/2010

Editorial: Soziale Medien

Lokalrunde

Thomas Rommerskirchen

Das digitale Zeitalter macht die Steuerung von Kommunikationsprozessen auf den ersten Blick leicht und billig. Längst sind klassische Zielgruppenanalysen überholt. Es ist chic, online irgendetwas zur Imagebildung zu machen. Direkt und ohne lästige Journalisten.

Auf den zweiten Blick ist das brandgefährlich. Soziale Medien folgen eigenen Gesetzen, die sich rasant verändern. Der Versuch, Inhalte zu beeinflussen, erweist sich oft als Bumerang. Wirtschaft und Politik, selbst Medien – wie jüngst die Süddeutsche Zeitung – fallen regelmäßig auf die Nase, wenn sie Blogger für Stimmungsmache im Netz bezahlen. Onlinekommunikation läuft ab wie an der Theke: nüchtern und niveauvoll oder unterirdisch und sturzbesoffen. Nur können selbst geübte Blogger, Chatter und Twitterer nicht immer schnell genug den Promillegrad erfassen.

Trotzdem will die PR natürlich die Lufthoheit über die Thekengespräche und drängt ins Web. Das ist nicht nur peinlich, wenn Manipulationen auffallen. Es kann auch teuer sein. Denn anders als der Lapsus an der Theke lässt sich ein Imageschaden hier nicht mit einer Lokalrunde beheben – das Netz vergisst nicht. Das ist die Chance für die krisengebeutelten Medien und Journalisten.

Richtig Dampf kommt auf kritische Themen erst, wenn traditionelle Medien aufspringen. Und nur sie können den Dampf auch reduzieren – durch klassische und gründlich recherchierte Berichterstattung. Unabhängige Journalisten und Medien werden die Einzigen sein, die unverdächtig an der virtuellen Theke über Dritte reden können.

Für das Kommunikationsmanagement heißt das im Idealfall: Konzentration auf die Inhalte, die Unternehmensstrategie. Die Onlinekommunikation muss man nur genau beobachten, um zu wissen, was weltweit geschrieben wird. Und um schnell die Presse informieren zu können, wenn etwas schiefläuft. Wenn durch den vermeintlichen Medienkiller Internet bewiesen wird, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft doch nicht ohne die geliebten und gehassten Journalisten funktionieren, müsste die Kündigungswelle in den Redaktionen bald vorbei sein. Denn das Media-Geschäft besteht nicht nur aus „Schweinebauch-Anzeigen“ und Produkt-PR.

 

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