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Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

3/2013

Editorial 3/2013: SAP

Blindflug

Warum findet der Dax-Konzern SAP so schwer PR-Chefs?
Überstrahlt Gründer Hasso Plattner die Unternehmensmarke?
Was ist, wenn der Übervater aus der Philanthropen-Rolle fällt?

Chefredakteur Thomas Rommerskirchen

„Das hat nichts mit SAP zu tun. Dies ist eine persönliche Angelegenheit von Hasso Plattner. Uns gelingt sehr gut, verständlich zu machen, was das Geschäft von SAP ist. Unser Kommunikationsteam unter der Leitung von Barbara Schädler ist sehr gut aufgestellt.“ Wer das sagt, ist Christoph Liedtke, Pressesprecher von SAP. Nimmt man die unternehmensinterne Befindlichkeit als Maßstab, könnte man befürchten, dass er Recht hat.

Draußen, in der Öffentlichkeit, sieht es weltweit anders aus. Da wird Hasso Plattner eng mit dem Unternehmen SAP verbunden. Er argumentiert in der aufgeregten Debatte um seine Milliardenspenden an Bill Gates’ „Giving Pledge“-Initiative sogar, er müsse sein Aktienvermögen halten, um SAP weiter beeinflussen zu können.

Nehmen wir einmal an, die SAP-Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott haben einen Plan für ihre Unternehmenskommunikation. Dann könnte es ein definiertes Ziel sein, SAP im Windschatten des Philanthropen Plattner segeln zu lassen und sich ausschließlich auf die Marketingkommunikation zu fokussieren.

Das würde erklären, warum sich die wenigen inhaltlichen Aussagen des Dax-Konzerns auf Finanzdaten, Produktinformationen und Marketingkommunikation konzentrieren. Der Rest fliegt unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Ein Blick auf die Website spricht Bände: Die gesellschaftliche Rolle von SAP scheint sich aufs Geldmachen zu beschränken.

Das würde auch erklären, warum es keinem vergleichbaren Unternehmen so schwerfällt, profilierte PR-Experten anzuheuern. Die Position war 2010 rund ein halbes Jahr lang vakant und ist nach dem Abgang von Hubertus Külps Ende 2012 schon wieder verwaist.

Natürlich ist der tägliche Shitstorm für ein B2B-Unternehmen, das keine Endverbraucher als Kunden hat, nicht so bedrohlich wie für Wiesenhof, Amazon, Google, Post und Co. Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich Themen vorzustellen, die das Imagevakuum über Nacht negativ aufladen. Auch ohne Hasso Plattner.

Wenn aber – auch dazu braucht man nicht viel Phantasie – der SAP-Gründer Plattner aus seiner Rolle als philanthropischer Musterknabe fällt, bekommen dieselben politischen Kräfte, die nach der Verstaatlichung des Bankensektors rufen, publikumswirksame Instrumente. Selbst wenn die Vorstandsspitze dieses Szenario im Blick hätte, der beste Krisenplan wäre wirkungslos. Die besten Berater wären hilflos.

Wenn Hasso Plattner noch etwas an SAP liegt, kann man ihm nur raten, zügig in strategische Kommunikation zu investieren. Dazu gehört auch ein Kommunikationsprofi an seiner Seite, der auf Augenhöhe und ohne die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Unternehmenssprechers Klartext reden kann. Ein Plattner darf nicht ungefiltert mit Bild-Zeitung und der Passauer Neuen Presse sprechen und damit das PR-Chaos erst richtig anheizen. Das hat er nämlich, wie Christian Wulff und Jürgen Fitschen, nicht gelernt.

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