Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

5/2010

Editorial: Vulkanausbruch auf Island

Eyjafjallajökull

Thomas Rommerskirchen

... und was in der politischen Kommunikation offensichtlich immer weniger funktioniert.

Die Aschewolke, die nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im April den Flugverkehr lahmlegte, Autoproduktionen stoppte und zahlreiche Reisepläne über den Haufen warf, hätte beinahe auch unseren (gefühlt) neuen Verkehrsminister Peter Ramsauer bei seiner ersten Krisenbewährungsprobe ins Stolpern gebracht.

Die ohnmächtige Starre, in die sich alle angesichts der Naturgewalt respektvoll flüchteten, wich bald der Kommunikationsoffensive der Fluggesellschaften. Vorlagen für PR-Attacken lieferte der Minister dabei reichlich. Die Deutsche Flugsicherung, die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol, die Landesregierungen – alle argumentierten auf der Basis von Gesetzen und Verordnungen, die im Interesse der Sicherheit der Menschen strikt befolgt werden müssen. Richtig erklärt hatte die von dem Phänomen ausgehende Gefahr niemand, bis auf die Bild am Sonntag mit hervorragenden Infografiken.

Der Verkehrsminister argumentierte differenziert und zukunftsorientiert – also in der Sache völlig richtig. Aber die Meinungsbildung in der Politik scheint nur noch mit dem Holzhammer anzukommen. Zu den Simulationsmodellen, denen angesichts des strahlend blauen Himmels in Deutschland niemand glaubte, hätte sich der Minister (wie Gerhard Schröder beim Elbe-Hochwasser 2002) die Notfalljacke überziehen müssen, selbst Versuchsballons starten oder vielleicht bei einem Testflug an Bord sein sollen.

Und wer „kümmerte“ sich auf den Flughäfen um die gestrandeten Passagiere? Wo waren die Botschafter mit den deutschen Auslandskorrespondenten im Schlepptau? Das hätte eine schöne „Guttenberg-Nummer“ werden können, wenn Ramsauer im Sichtflug nach Frankfurt gedüst wäre, um sich vor Ort zu informieren. Dann hätten die klassisch professionellen Instrumente der Luftfahrtindustrie nicht so einfach Druck und Unsicherheit in der Bevölkerung aufbauen können. Dann wären viele Argumente wie die des freien Bild-Kolumnisten Georg Gafron verpufft, der schon beim Pilotenstreik als Lufthansa-Allzweckwaffe messerscharf die PR-Fehler der Gegenseite analysierte und anprangerte.

Was bleibt, ist ein weiterer Verlust von Glaubwürdigkeit der Politik. Aber auch die Wissenschaft hat eine Quittung kassiert. Differenzierte Analysen sind nichts für die Krise. Die sollte man sich für später aufheben.

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