Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

6/2010

Editorial: PR-Branche

Wenn der Sonneborn kommt...

Thomas Rommerskirchen

Akademische Zirkel haben in der Branche Konjunktur. Neue Akademien, private (Halb-)Universitäten, Lehrstühle, Institute – Forschung und Wissenschaft, wohin man schaut. PR-ler ohne MBA, Diplom oder Promotion gibt es immer weniger – zumindest ein kleiner Bachelor sollte es sein. Das wirkt auch auf die interne Kommunikationskultur von Unternehmen und Organisationen. Ganz normale Lagebesprechungen arten zum Proseminar aus. Präsentationen ohne valide Erfolgsgarantie-Forschung, Konzeptideen ohne Quellenverweise und ohne Testate wissenschaftlicher Koryphäen werden im Keim erstickt.

Die Ursachen sind vielschichtig. Argumentationsnotstand gegenüber Controllern und fachfremden (externen) Beratern mag angesichts der Wirtschaftslage eine Rolle spielen. Da darf man alles machen, nur keinen Schrittfehler in definierten Arbeitsprozessen. Das kann praktisch sein, wenn es gilt, möglichst viele Mitarbeiter der Kommunikationstruppe zu beschäftigen. Man verursacht kaum Drittkosten und ist bei Angriffen durch Kollegen munitioniert. Richtig falsch macht man nichts, denn die nötigen Aktionen basieren ja auf unseren Klimmzügen an der Alma Mater.

Bevor die PR-Branche vor lauter Lust am risikoarmen (aber ziellosen) Optimieren der Effizienz vom Spielfeld verschwindet, lohnt ein Blick auf die bis vor kurzem relativ arrivierten Volkswirtschaftler: Sie verzweifeln. Sie forschen nicht mehr. Sie suchen ihr Glück mal in der Chaostheorie, dann in der Psychologie oder in der Computersimulation.

Eine Wissenschaft führt sich selbst vor. Und dann kommt auch noch Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn, jetzt beim ZDF für Jokes zuständig, zum Verband Pro Generika und gibt vor, für die Sendungen „heute“ oder „heute-journal“ ein industriefreundliches Interview führen zu wollen. Es lohnt sich anzusehen, wie die sicher in vielen Briefings getrimmten PR-Kollegen Meister Sonneborn auf den Leim gehen. Wie das passieren konnte? Niemand kannte den Satiriker. Niemand war draußen, in den Redaktionen, in der Szene. Vielleicht, weil so was Geld kostet, das McKinsey und Co schwer zu vermitteln ist – bevor der Sonneborn kommt.

Nach oben

Aktuelle Kommentare

Noch keine Kommentare.

Kommentare werden moderiert.

Kommentar verfassen

Adding an entry to the guestbook

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.