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Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

7/2010

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Editorial: BP / Golf von Mexiko

Quittung für die Camouflage

Thomas Rommerskirchen

Das PR-Desaster von BP nach dem Untergang der Ölplattform „Deep Water Horizon“ im Golf von Mexiko hat schon viele Medien beschäftigt und sorgt in der politischen Öffentlichkeit für Wirbel. Die Analyse der weltweiten Strategie und der deutschen Umsetzung lohnt aber trotzdem.

Zunächst zu den Argumenten der Kommunikatoren, die im oder mit dem deutschen Unternehmen arbeiten und sich schon über die Wortwahl „PR-Desaster“ empören. Schließlich sei arbeitstechnisch alles richtig gelaufen. Der Pressechef in der britischen BP-Zentrale Andrew Gowers sei ganz toll, eine solche Krise könne man nicht proben. Es sei halt das erste Mal. Und es sei schwierig, die richtigen Informationen über das Ausmaß des Unglücks zu kriegen. Aus den USA, wo alles mit den Behörden abgestimmt werden müsse. Alles sei voller juristischer Fallstricke. Da blieb den Kommunikationsexperten in Deutschland vor allem die Übersetzung der englischen Texte. Und die Hoffnung, dass hierzulande niemand realisiert, dass Aral eine BP-Firma ist.

Dies möglichst unter der Decke zu halten, war (und ist bis heute) die PR-Strategie in Bochum. „Es fragt uns ja zum Glück niemand, und die Medien halten auch still“, so ein BP-ler. Man hoffe darauf, dass Aral im Bewusstsein der deutschen Autofahrer eine gute, deutsche Marke sei und deshalb kein Boykott drohe. Die Einschläge kamen in den vergangenen Tagen aber näher. Zuletzt musste BP das Sponsoring des Sommerfests des Bundespräsidenten absagen. Die politische Kaste ist auf Distanz zu den Bochumern. Im Tagesspiegel ließ der deutsche BP-Statthalter, ein gelernter Chemiker, ankündigen, er werde höchst persönlich das Fest besuchen. Von dieser Sekunde an hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel mit seiner BP-Schelte die Bild auf seiner Seite. Politik und Medien fanden, es reicht.

Dabei wollte die Ölfirma nicht einmal ihre Logos präsentieren oder Broschüren zum Umweltschutz mit dem Slogan „Beyond Petroleum“ verteilen. Nein, sie hätte das Engagement des Konzerns für die Civil Academy vorgestellt, einer Initiative von BP und des vom Familienministerium geförderten Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Würde sich jetzt noch jemand wundern, wenn BBE diese Initiative verlassen würde (müsste)? Nachdem die Vorsitzende der Grünen Claudia Roth die BP-Präsenz öffentlich als „obszön“ verurteilt hat?

Es ist ein PR-Desaster. Weil der Konzern seit Jahren Camouflage-Themen rings um die Brandherde etabliert hat, statt den Kern seines Handelns kommunizierbar zu machen. Intern wie extern. Deshalb ist BP bis heute Synonym für Greenwashing (googeln Sie mal ...) und gefährdet mit seiner Kommunikationsstrategie ernstgemeinte Initiativen krisensensibler Unternehmen und Verbände. Für die derzeitigen Ausreden aus Bochum („Die Medien bringen ja immer nur die schlechten Nachrichten“) kann man nur Mitleid aufbringen. Mitleid wie es offensichtlich viele Ingenieure empfinden, die auf der BP-Homepage zu zigtausenden technische Hilfe anbieten. Nota bene: BP ist das viertgrößte Unternehmen der Welt und kein Kaffeeröster aus Ostwestfalen.

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