Detailinformationen

Autor

Thomas Rommerskirchen

Chefredakteur

im Heft

9/2011

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Editorial 9/2011:

K.o.-Kriterium Qualität

Sind verbindliche Rechte für Ombudsleute in den Redaktionen überfällig? Sichern interne Kontrollstrukturen auch den wirtschaftlichen Erfolg?

Früher, in der guten alten Medienwelt, war die Wirtschaftspresse klar positioniert: konsumierbar nur mit Hang zum Masochismus und sehr schwer verdaulich. Wir haben die Leser vor Augen. Sie widmeten Nachrichten aus der Welt der Finanzen ihre volle Aufmerksamkeit, ungestört durch Informationsgetwitter. Völlig unmodern, aber fundiert, recherchiert, wahr. Heute kämpft die Wirtschaftspresse ums Überleben: Die Anzeigenumsätze sind brutal weggebrochen. Die Leser wandern zu kostenlosen Informationsanbietern ins Netz. In dieser Lage sehen viele Medien ihre Rettung in investigativen Formaten. Manche nennen das Boulevardisierung (bei der ARD heißt es jetzt Dokudrama, siehe Seiten 6-7). Dabei erfordern komplexe Wirtschaftsthemen eine differenzierte Darstellung – ein unmöglicher Spagat?

Sicher nicht, wie der Relaunch des Handelsblatts langsam zeigt. Aber gefährlich, wenn der Jagd nach dem Boulevard, nach Einschaltquote, Auflage und Zitaten die Seriosität zum Opfer fällt. Und das ist an der Tagesordnung, nicht nur bei den bekannten Krawallmedien. Falschmeldungen, Auslassungen, Verzerrungen, Kampagnen und Tendenzberichte finden wir auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei Nachrichtenagenturen, seriösen Tageszeitungen und Magazinen. Wenn durch das Redaktionskonzept „Investigation“ die Skandalschraube überdreht wird, könnte die Konsequenz der weitere Rückzug der Industrie aus diesen Medien sein – auch im Anzeigengeschäft. Und bei den Konsumenten könnte vor lauter Skandalmeldungen auf die Politik- die Wirtschaftsverdrossenheit folgen.

Form und Formate werden sich ändern. Um Qualität und Verlässlichkeit garantieren zu können, brauchen Redaktionen ein verpflichtendes Ombudssystem. Dank Online-Kanälen können Ombudsleute heute beispielsweise in Blogs den Dialog über die Inhalte der eigenen Medien verlässlich moderieren, sogar selbst den Dialog anstoßen. Die seriöse und schnelle Korrektur, bevor sich die Schwarmintelligenz des Netzes auf schiefe Skandalberichte einschießt. In den USA funktioniert das bereits. Ein innovatives Ombudssystem könnte den Stellenwert der Medien (und ihrer Verlage) sichern – bevor sich die nach Grundgesetz-Artikel 5 garantierte Pressefreiheit und die damit immer noch verbundene Kontrollfunktion der Medien für unsere Demokratie durch Wildwuchs selbst ad absurdum führt.

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