Detailinformationen

Autor

Daniel Neuen

Redakteur

verfasst am

15.09.2011

facebooktwitterdel.icio.usMister Wongdigg.comaddthis.com

Social Media

„Facebook ist ja nicht öffentlich“

Vor einigen Wochen wies mich ein Kollege auf den Facebook-Kommentar eines Agenturmitarbeiters hin. Der Mann beschwerte sich in knappen, aber unmissverständlichen Worten, dass ein Konzern das Social-Media-Konzept seiner Agentur verwendet habe, aber sie dafür „kein Geld“ gesehen habe. Leider nichts besonderes im Agenturgeschäft, aber mit einigen Hintergründen möglicherweise eine Meldung in unserer Oktober-Ausgabe wert.

Zumal es sich um ein sehr bekanntes Unternehmen handelte, dass da offenbar mal wieder rüde Umgangsformen gegenüber seinen Dienstleistern zeigte. Der Kommentar war für mindestens mehrere hundert Leute sichtbar, darunter viele aus der Kommunikationsbranche. Der Verfasser ist auf Twitter und Google+ präsent. Er hat eine eigene Website. Natürlich unter Verwendung sämtlicher „Buzzwords“, die man als aufstrebender Social-Media-Berater in seinen Profilbeschreibungen eingetragen haben sollte. Kunden, für die er schon gearbeitet haben will, sind ebenfalls leicht zu finden. Ebenso der Name seines Arbeitgebers.

Der Mann weiß, was er tut. Dachte ich, und rief ihn an.

Es entwickelte sich ein skurriles Gespräch, in dem der Betreffende nicht nur völlige Unkenntnis über die Arbeitsweise von Journalisten offenbarte („Wie lautet denn Ihre Überschrift?“). Auch die Sache mit dem Internet, mit der er sein Geld verdient und die er laut seiner Profilbeschreibung so glänzend beherrscht, hatte er nicht ganz durchdacht:

Er: „In den Kommentar kann man ja viel hineininterpretieren, war gar nicht so krass gemeint. Und wenn ich das jetzt öffentlich wiederhole, kriege ich bestimmt Ärger und mein Arbeitgeber auch.“

Ich: „Aber Sie haben das doch auf Facebook geschrieben.“

Er: „Ja, aber das ist ja nicht öffentlich.“

Dazu muss man wohl nicht viel mehr sagen.

Auf die Berichterstattung haben wir verzichtet. Wie auch immer diese am Ende ausgesehen hätte, die Pitchbedingungen in Deutschland wären dadurch nicht besser, der betreffende Agenturmitarbeiter aber wohl entlassen worden. Bislang wussten von seinem Kommentar offenbar weder seine Vorgesetzten noch das Unternehmen, über das er sich beschwert hatte.

Später rief er noch einmal an. „Da habe ich wirklich Mist gebaut. Das weiß ich jetzt auch“, jammerte er und bedankte sich, dass ich ihn gerettet hätte. Falls wir mal wieder was über Social Media machen sollten, könnten wir uns ja melden. Er stehe gern als Experte zur Verfügung.

Aktuelle Kommentare

20.09.2011 10:08

Ingrid Fritz

.....jetzt verstehe ich die Pisastudie

20.09.2011 10:28

Gabriel Pfaff

Falls noch nicht bekannt: Kann man auch live ausprobieren mit http://youropenbook.org einfach mal nach "mein Chef" oder "meine Chefin" suchen.

21.09.2011 08:41

Martina Bloch

Grandios, you made my day!

21.09.2011 14:07

Wolfram Schuchardt

Klasse.

 
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