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Ausgabe 02/2019

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Detailinformationen

Autor

Susanne Marell

Geschäftsführerin JP | KOM, Gründungsmitglied GWPR Deutschland

verfasst am

28.02.2019

im Heft

02/2019

Schlagworte

Susanne Marell, Global Women in PR, GWPR, JP | KOM

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Die GWPR-Kolumne

Lasst uns entspannen!

Frauen sind groß darin, sich selbst zu hinterfragen. Echte oder vermeintliche Defizite? Sogleich sucht frau ein Seminar, um Ansprüchen gerecht zu werden, die noch nicht mal gestellt wurden. Susanne Marell, Gründungsmitglied des Vereins Global Women in PR Deutschland, rät: Einfach öfter mal das Selbstoptimierungs-Gen abklemmen.


Im Biologiebuch meines Sohns konnte ich nichts zum weiblichen Selbstoptimierungs-Gen finden, obwohl ich mich intensiv mit Genomen, Basenpaaren und Doppelhelix auseinandergesetzt habe. Vielleicht liegt es aber doch am zweiten X-Chromosom, dass speziell Frauen sich häufig selbst hinterfragen: „Bin ich wirklich gut genug, um den nächsten Schritt zu gehen?“, „Habe ich überhaupt schon genug Erfahrung für diese Position?“, „Was muss ich tun, um meine Vorgesetzten nicht zu enttäuschen?“. 

Diese Fragen scheinen direkt im weiblichen Erbgut verankert – und zwar einhergehend mit Gedanken wie: „Wenn ich jetzt Nein sage, wirke ich zickig“ oder „Es ist mir schon wichtig, dass sich alle als Gewinner fühlen“. Ich bin nicht dafür bekannt, mit Vorliebe Klischees zu bedienen. Aber immer wieder habe ich in Mitarbeitergesprächen erlebt, dass Frauen ihre Erfolge kleinreden. Dass sie erst mal all jene Punkte aufzählen, die sie noch besser machen müssten. Und direkt Trainings und Coachings vorschlagen, die sie unbedingt noch brauchen, um sich weiter zu optimieren.

Gehaltsgespräche mit Frauen verlaufen auch oft angenehmer, da deren Forderungen selten überspitzt oder realitätsfern sind. Und wenn bereits Kinder da sind, geht frau ohnehin lieber direkt auf eine 80-Prozent-Stelle mit entsprechender Bezahlung – bei weiterhin 120 Prozent Einsatz. Effizient wie sie ist, fragt sie sich dabei höchstens mal, was sie falsch macht, denn das Arbeitspaket müsste sie ja eigentlich in vier Tagen bewältigen können, oder?

Vor ein paar Wochen traf ich mich mit Kolleginnen aus anderen Branchen, und wir sprachen über mögliche Aufsichtsratsmandate. Und wie haben wir das gemacht? Wir haben intensiv darüber diskutiert, welche Seminare wir besuchen sollten, um uns dafür zu qualifizieren. Mit zunehmender Liebe zum Detail haben wir uns über Anbieter und Lerninhalte ausgetauscht.

Zum Glück wurden wir noch vor der Buchung von einer Kollegin unterbrochen: „Ihr fangt das falsch herum an. Ist Euch eigentlich klar, dass die Vergütungen außerhalb des Dax nicht besonders lukrativ sind, dafür aber der Zeitaufwand sehr hoch? Außerdem solltet Ihr erst mal checken, wen ihr überhaupt kennt, um an ein Mandat ranzukommen, denn die meisten Mandate werden immer noch via Empfehlung vergeben.“

Tja, das Selbstoptimierungs-Gen sollte des Öfteren mal abgeklemmt werden. Das hat nicht nur praktischen Wert, sondern entspannt auch ungemein.

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In dieser prmagazin-Kommentarreihe schreiben die Gründungsmitglieder des Vereins Global Women in PR (GWPR) Deutschland jeden Monat über Themen, die sie bewegen.

Diese Kolumne ist zuerst in der Februar-Ausgabe 2019 erschienen. Im März-Heft lesen Sie einen Kommentar von Monika Schaller, Vize-Kommunikationschefin der Deutschen Bank und designierte Kommunikationschefin von Deutsche Post DHL.


Die prmagazin-Ausgabe 02/2019 - darin unter anderem:

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