Detailinformationen

Autor

Michael Bürker

Prof. für Marketing, Kommunikation & Marktforschung Hochschule Landshut, Geschäftsführer Script Consult

verfasst am

04.09.2018

im Heft

09/2018

Schlagworte

Aufsichtsräte, Aufsichtsratskommunikation, Michael Bürker, Hochschule Landshut, Script Consult

Aufsichtsräte

Haltung ist gefragt


Sollten Aufsichtsräte mehr kommunizieren? Dürfen sie das überhaupt? Die Meinungen dazu gehen auseinander.


In die Diskussion um Notwendigkeit und Grenzen der Aufsichtsratskommunikation ist wieder Bewegung gekommen, beobachtet Michael Bürker, Professor für Marketing, Kommunikation & Marktforschung an der Hochschule Landshut und Geschäftsführer der Agentur Script Consult. In welche Richtung die Entwicklung geht, scheint sich abzuzeichnen: Haltung ist gefragt. Regelungen stehen noch aus.


Das prmagazin hat die Dax-Unternehmen gefragt: Werden Aufsichtsräte in die Konzernkommunikation integriert, oder werden sie ausgegrenzt? Der Ergebnis: mal so, mal so. Tendenz: abstimmen ja, Integration eher nein. Dabei scheint es auf den ersten Blick einfach: Aufsichtsräte unterliegen einer Treue- und Loyalitätspflicht gegenüber den von ihnen beaufsichtigten Unternehmen. Eigenständige Kommunikation, eventuell mit abweichenden Positionen, scheint da ausgeschlossen. Solange keine Probleme auftreten, wird das auch niemand von ihnen erwarten. Eine Pflicht zur Kommunikation gibt es nicht.


Michael Bürker, Professor für Marketing, Kommunikation & Marktforschung an der Hochschule Landshut und Geschäftsführer der Agentur Script Consult.

Was aber, wenn es zu Zielkonflikten kommt? Wenn allzu genaue und strenge Aufsicht „politisch“ nicht gewünscht ist. Wenn Aufsichtsräte im Interesse des Unternehmens gegen Vorstände agieren (müssten). Oder wenn die Interessen des Unternehmens, der Anteilseigner, Arbeitnehmer oder potenzieller Investoren auseinandergehen? Spätestens dann müssen Organ- und Individualpflichten getrennt betrachtet werden. Und läuft es den Kontroll- und Überwachungsaufgaben nicht zuwider, wenn sich Vorstände und Aufsichtsräte allzu eng abstimmen? Wenn die Kommunikation der Aufsichtsräte gar über die Kommunikations- oder IR-Abteilung läuft? 

Das Berlin Center of Corporate Governance (BCCG) kommt in seinem Roundtable zu den zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren einer exzellenten Aufsicht an zentraler Stelle zum Ergebnis: „Ein exzellenter Aufsichtsrat öffnet sich der Kommunikation mit den wichtigen Investoren und in Sonderfällen auch mit anderen Stakeholdern des Unternehmens, soweit es um originäre Themen der Aufsicht geht“ (von Werder 2017).

Die Teilnehmer konstatieren einen spürbaren Wandel im Grundverständnis der Kompetenzordnung für die externe Unternehmenskommunikation. Insbesondere dem Vorsitzenden wird eine – mit dem Vorstand abgestimmte – eigene Rolle im Dialog mit bedeutenden Anteilseignern zugewiesen. Insofern scheinen das Abstimmen von Fall zu Fall sowie das Fehlen einer generellen Integrationsstrategie kein Defizit, sondern vielmehr adäquat zu sein.

Konkreter wird eine Studie der Universität Leipzig. Sie leitet aus dem gestiegenen Druck von außen und höheren Ansprüchen an eine transparente Unternehmensführung ebenfalls neue Kommunikationsaufgaben für den Aufsichtsrat ab. Sie gehen weit über die gesetzlichen Publizitätsmaßnahmen hinaus und berücksichtigen als externe Stakeholder auch Journalisten (vgl. Nieber 2017).

Die befragten Experten sehen die Aufsichtsräte in einer aktiveren Rolle als bislang. Gleichwohl sprechen sie sich mehrheitlich für eine zurückhaltende und wohl dosierte Kommunikation aus, die auch mit der Kapitalmarktkommunikation des Vorstands abzustimmen ist. 

Für eine offensivere Variante plädiert dagegen Peter Ruhwedel, Professor für Strategisches Management und Organisation an der FOM Hochschule Essen. Er forderte von Aufsichtsräten schon 2013 eigene Kommunikationsstrategien (vgl. Ruhwedel/Weitzel 2013).

Die Forderungen bestätigen zentrale Befunde einer Befragung von Aufsichtsräten und Vorständen in Dax-30-, MDax- und SDax-Unternehmen durch die Hochschule Landshut. Bei der Frage, was den exzellenten Aufsichtsrat ausmacht, war der Handlungsbedarf bei den 26 untersuchten Kriterien am größten bei der persönlichen Unabhängigkeit, der Kritik- sowie Konfliktbereitschaft der Aufseher (vgl. Bürker 2017).

Alle drei Punkte lassen sich an einer selbstbewussten Kommunikation nach innen und gegebenenfalls auch nach außen festmachen. Kurz: Haltung ist gefragt. In welche Richtung die Entwicklung geht, scheint sich abzuzeichnen, Regelungen stehen noch aus. Aber es ist wieder Bewegung in die Diskussion gekommen!  

Dieser Kommentar ist zuerst in der September-Ausgabe des prmagazin erschienen.

>>> Lesen Sie zum Thema Aufsichtsratskommunikation auch die Kommentare von
Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Er meint: Aufsichtsräte sollten in der Kommmunikation eine eher passive Rolle einnehmen.
Eckart Reinke, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts der Aufsichtsräte. Er kritisiert: Jetzt ist es schon so weit, dass nur noch über das „Wie“ nachgedacht wird, nicht mehr über die Sinnhaftigkeit der Aufsichtsratskommunikation.

Die September-Ausgabe 2018 – darin unter anderem:

Der Visionen-Verkäufer: Wie Oliver Strohbach, Europa-PR-Chef von Byton, Sympathie und Vertrauen für den chinesischen Tesla-Angreifer schaffen will.

Standpunkt: Wie Sabia Schwarzer die künftige Rolle der Kommunikation sieht und was ein Spaziergang mit Allianz-Chef Oliver Bäte damit zu tun hat.

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