Detailinformationen

Autor

Lucas van Praag

Kolumnist

im Heft

02/2014

Praags Ansichten

Recht vs. Kommunikation - Fehler zugeben!

Der amerikanische Staatsmann Benjamin Franklin schrieb 1789: „Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer.“ Heute würde er noch die Anwälte hinzufügen.

Lucas van Praag

Die USA sind ein Land der Gesetze. Strafverfolgungsbehörden stehen unter besonderem Druck, vor allem gegen Wirtschaftskriminalität vorzugehen. Jeder kann heute Unternehmen quasi kostenlos verklagen, weil Anwälte an Vergleichszahlungen beteiligt werden. Ein Anreiz für Juristen, nach immer mehr Klagemöglichkeiten zu suchen. Diese Entwicklung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Arbeitsweise von Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Bei jedem vermeintlichen Rechtsrisiko wurden sofort Juristen in Truppenstärke angeheuert. Im Vordergrund stand vor allem die Verringerung von Haftung und anderen Prozessrisiken. Der Anwalt war der Berater, der alle anderen übertrumpft hat.

Dieser Strategie folgte auch BP nach der verheerenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010. Der damalige BP-Chef Tony Hayward musste vor dem Energie- und Wirtschaftsausschuss des USRepräsentantenhauses aussagen, weigerte sich aber, auf Fragen zur Katastrophe einzugehen. Seine Antworten variierten von „Ich war nicht involviert“ bis „Daran kann ich mich nicht erinnern“. Fehler einzugestehen, so lautet die Theorie, treibt die Haftungskosten in die Höhe. Haywards Verhalten ließ den Senatsausschuss vor Wut schäumen. Viele sind davon überzeugt, dass sein Schweigen dazu beigetragen hat, dass BP in den USA nur noch schwer Geschäfte betreiben kann. Jamie Dimon dagegen, CEO von JP Morgan Chase, übernahm 2012 beim Auftauchen von Handelsproblemen in London Verantwortung, als er öffentlich eingestand: „Wir haben einen schrecklichen, ungeheuerlichen Fehler gemacht.“ Unter rechtlichen Gesichtspunkten ist diese Strategie riskant – aus kommunikativer Perspektive ist sie der smarteste Weg. Obwohl auch Dimon vor dem Kongress Rede und Antwort stehen musste, war seine klare Sprache entwaffnend. Der Aktienkurs der Bank hat sich trotz Handelsverlust und genauester Überprüfung der Probleme fast verdoppelt.

Es wäre unverantwortlich, bei einem juristischen Problem keine Rechtsberater hinzuzuziehen. Aber die Unternehmensführung muss die Reputationsrisiken im Auge behalten, die Entscheidungen nach sich ziehen können, die ausschließlich auf Basis der Rechtsberatung getroffen werden. Haftungsrisiken mögen sich durch eine Beratung wie bei BP reduzieren lassen. Aber die Geschäftsbasis kann dadurch empfindlich geschädigt, wenn nicht gar zerstört werden.

Kontakt zum Autor: praag(at)prmagazin.de

Lucas van Praag leitete mehr als ein Jahrzehnt die weltweite Kommunikation von Goldman Sachs in New York. Zuvor war er Partner von Brunswick in London. Heute ist der Gründer und Managing Partner von Fitzroy Communications, New York, strategischer Partner von CCounselors, Düsseldorf.

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