Detailinformationen

Autor

Lucas van Praag

Kolumnist

im Heft

05/2014

Praags Ansichten

USA: Regeln beachten!

„Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge“, stellte der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer im 19. Jahrhundert fest. Das sollte auch für die Reputation von Unternehmen gelten.

Lucas van Praag

Nicht nur deutsche Unternehmen inves­tieren Millionen in die Sicherung und Verbesserung ihrer Reputation. In den USA fließt noch weit mehr Geld, um von Regulierern und Straf­auf­sichts­be­hör­den ange­strengte Verfahren beizu­legen. Doch wer annimmt, die Geld­bußen und Stra­fen hätten für die betroffenen Un­terneh­men verheerende Auswir­kungen ge­habt, weil sie Kunden ver­graul­ten und Aktionäre ihre
Pa­piere ver­kauften, der irrt. Verrückterweise passierte genau das lange nicht. Geld­
bußen und Strafen galten in den USA als Kosten, die nun mal in Kauf nehmen muss, wer Geschäfte macht. Angesichts der komplexen Rechtslage infolge der Finanzmarktkrise 2008 muss diese Sicht nicht überraschen. Die Vergleichszahlungen erklimmen neue Höhen, dennoch nimmt der „Schockfaktor“ weiter ab. Die Logik der Rückkehr zu norma­lerem Verhalten ist zwingend.

Es gibt Anzeichen, dass sich das ändert. Ein Beispiel dafür ist der Auftritt von Credit-Suisse-Managern vor einem Ausschuss des US-Senats vor ein paar Monaten. Es ging um die Unterstüt­zung von amerikanischen Bürgern bei der Steuerhinterziehung. Die Manager argumentierten, lediglich eine kleine Gruppe unse­riöser Mitarbeiter sei für die Probleme verantwortlich, während das Unternehmen sehr auf die Einhaltung der Gesetze achte. Das Schweizer Gesetz verbiete es, den US-Behörden die gewünsch­ten Kundeninformationen zur Verfügung zu stellen. Doch die Ausschussmitglieder amüsierten sich darüber nur und gaben den Bankmanagern zu verstehen, dass sie in ihren Augen entweder korrupt oder inkompetent oder beides seien.

Bemerkenswert an diesem Fall ist aber nicht das unvermeidli­che Medienecho, sondern dass der Aktienkurs der Bank drama­tisch einbrach. Die Aktionäre stimmten mit den Füßen ab. Im Umkehrschluss heißt das: Unternehmen müssen die Auswir­kungen leichtfertigen Handelns, vor allem in Bezug auf ihre Reputation, noch stärker beachten. Die Verletzung der Regeln für unternehmerisches Handeln kann in den USA zu einem De­
saster führen. Manager, die nicht verstehen, dass eine schlechte Reputation unternehmensgefährdend ist, könnten künftig aus­reichend Zeit zur Verfügung zu haben, um über Schopenhauers Worte nachzudenken. 

Kontakt zum Autor: praag(at)prmagazin.de

Lucas van Praag leitete mehr als ein Jahrzehnt die weltweite Kommunikation von Goldman Sachs in New York. Zuvor war er Partner von Brunswick in London. Heute ist der Gründer und Managing Partner von Fitzroy Communications, New York, strategischer Partner von CCounselors, Düsseldorf.

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