Detailinformationen

Autor

Lucas van Praag

Kolumnist

im Heft

03/2016

Praags Ansichten

Vorsicht, Attacke!

Shareholder Activism ist keine Ausnahme mehr. Hedgefonds-Manager haben erkannt, dass Druck auf Unternehmen lukrativ sein kann. Für die Kommunikatoren angegriffener Firmen eine ungemütliche Situation. Wie Sie bei einer Attacke aktivistischer Aktionäre reagieren sollten.

Lucas van Praag

Der Economist berichtete kürzlich, dass seit 2010 jedes siebte Unternehmen aus dem Index S&P 500 Ziel aktivistischer Aktionärsattacken war. 2015 verwalteten laut JP Morgan mehr als zehn aktivistische Fonds jeweils mehr als zehn Milliarden US-Dollar.

Bei aller Gewöhnung: Das Thema bleibt kontrovers und zieht viel mediales Interesse auf sich. Oft gestaltet sich der Wettkampf zwischen Aktivist und Ziel als ein Ringen zwischen Gut und Böse. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden aktivistische Aktionäre als Raubfische gesehen. Heute erscheinen sie in besserem Licht, nicht zuletzt aufgrund von Studien, die aufzeigen, dass der Shareholder Value durch manch eine Intervention stieg.

41 Prozent der aktivistischen Hedgefonds fokussieren ihre Attacken heute auf Nordamerika. 32 Prozent haben einen globaleren Ansatz oder konzentrieren sich auf spezifische Regionen: 15 Prozent auf Asien, acht Prozent auf Europa und vier Prozent auf andere Märkte. Führende US-Unternehmen wie Xerox, Yahoo und Viacom gehören derzeit zu ihren Zielobjekten.

Unternehmen müssen auf solche Angriffe mit einer stimmigen Strategie antworten, unabhängig von ihrem Standort. Dabei gilt es, folgende Punkte zu beachten:

Bewerten Sie die Bedrohung. Analysieren Sie die Forderungen des aktivistischen Investors und seine wirklichen Motive, Prioritäten und potenziellen Schwachstellen. Recherchieren Sie seine früheren Angriffe und seine Erfolgsquote. Hat er alle notwendigen regulatorischen Vorschriften erfüllt? Schauen Sie sich an, ob er seine Aktien ausreichend lange gehalten hat, um den Aktionären Anträge zur Abstimmung stellen zu können. Evaluieren Sie, ob der Angreifer gegebenenfalls mit Unterstützung der derzeitigen Aktionäre rechnen kann.

Eine effektive Verteidigung bedarf eines umfassenden Gegenbeweises. Installieren Sie eine interne Taskforce, bestehend aus Mitgliedern des Topmanagements, und verstärken Sie sich mit externen Finanz-, Rechts- und Kommunikationsexperten, die bei der Erarbeitung einer Strategie helfen. Arbeiten Sie mit dem Beraterteam an Ihren Botschaften und Gegenargumenten, und achten Sie darauf, dass Sie alles mit Daten und Fakten unterlegen können. Der Aufsichtsrat sollte jederzeit informiert sein. Dabei ist es wichtig, dass sich die Kommunikation durch Sachlichkeit, Zielstrebigkeit und Optimismus auszeichnet.

Informieren Sie Ihre Stakeholder, Regulatoren und Medien. Die Botschaften und Gegenargumente sollten sich durch Klarheit und Präzision auszeichnen. Das Timing der Kommunikation ist vor allem in der Phase vor einer Aktionärsabstimmung von besonderer Bedeutung.

Bedenken Sie, dass aktivistische Investoren aggressiv argumentieren und sich Aktionäre durchaus von einer übertriebenen Rhetorik beeinflussen lassen können.

Beobachten Sie Entwicklungen aufmerksam, und bedenken Sie den Einfluss möglicher Zugeständnisse gegenüber den Aktivisten.

In Deutschland schließlich sollte man nie vergessen, dass der Aufsichtsrat dem Interesse des Unternehmens verpflichtet ist – nicht in erster Linie dem der Aktionäre.

Kontakt zum Autor: praag(at)prmagazin.de

Lucas van Praag leitete mehr als ein Jahrzehnt die weltweite Kommunikation von Goldman Sachs in New York. Zuvor war er Partner von Brunswick in London. Heute ist der Gründer und Managing Partner von Fitzroy Communications, New York, strategischer Partner von CCounselors, Düsseldorf.

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