Detailinformationen

Autor

Benjamin Minack

Geschäftsführer ressourcenmangel, Präsident Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA)

verfasst am

15.04.2020

im Heft

04/2020

Schlagworte

Benjamin Minack, Kolumne, Corona, Covid-19, Unternehmensführung

Das aktuelle Heft
Ausgabe 04/2020

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Wider die Lautsprecher

Augen auf und durch!


Benjamin Minack ist Geschäftsführer der Agentur ressourcenmangel und Präsident des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA). In seiner prmagazin-Kolumne "Wider die Lautsprecher" kommentiert er Entwicklungen und Trends in der Kommunikationsszene.


Jetzt zeigt sich wahre Resilienz: Nur wer trotz Krise den Blick möglichst schnell wieder nach vorn richtet, ist danach gut aufgestellt, meint unser Kolumnist Benjamin Minack. Ein Aufruf zu positiver Unternehmensführung in Zeiten von Corona.


Krisenzeit ist Plattitüdenzeit. Das Floskelhafte hilft dem Unsicheren beim Navigieren
durch die Untiefen der harten kommunikativen Realität eines gänzlich unplanbar gewordenen Tagesgeschehens. Der Meinungsstarke lebt auf: durch laute Zustimmung und Ablehnung, durch die tägliche Kabbelei in den Newsfeeds der sozialen Medien. Endlich kann er sich so richtig spüren. 

Kommt man damit durch eine ernst zu nehmende, mehrdimensionale, multiple Krise? Kurzfristig schon: Die sozialen Medien haben Ventilfunktion und können Gemeinschaftsgefühle erzeugen oder zumindest simulieren. Aber Sieger werden anders gemacht. Jetzt zeigt sich wahre Resilienz. Denn die Maßstäbe verschieben sich, die Handlungsrahmen verändern ihre Formen, die Wahrnehmungshackordnung kann schon morgen wieder anders aussehen.

Die Welt lernt und wird letztlich gestärkt aus der Krise hervorgehen. Wir werden flexibler im Umgang mit Veränderung und werden uns besser wechselnden Gegebenheiten anpassen können. Mit von der Partie ist dabei aber nur der, der sich bereits während der Krise intensiv mit dem eigenen Markt und seinen Veränderungen beschäftigt hat. Entwicklungen antizipieren, reaktionsfähig sein, Szenarien durchdenken – das sind Grundvoraussetzungen für eine gute, für eine adaptierte, für eine adaptionsfähige Strategie. 

Der Weg dorthin führt über Kopf und Herz der wichtigsten Stakeholder-Gruppen in der Organisation. Auch deren Interessen gilt es zu wahren. Nicht nur schützend und informierend mit Bezug auf die akute Krisensituation, sondern auch langfristig achtsamer im Umgang miteinander. Gebraucht wird jetzt nicht nur Führung von vorn, viel nötiger ist Führung nach vorn.

Menschen brauchen gerade jetzt neben dem Tagesgeschäft auch eine Hoffnung, eine Idee davon, wie es weiter gehen kann. Mitarbeiter und Kunden möchten wissen, welchen Platz die eigene Organisation, der Dienstleister, Lieferant, Partner in der sich verändernden wirtschaftlichen Weltordnung hat.

Deshalb: Begeben Sie sich schnell heraus aus dem akuten Krisenmodus. Wenn nicht mit allen, dann doch mit einem kleinen Teil des Teams. Arbeiten Sie chancenorientiert für die gute Laune und gegen die Kakofonie der Krisenbotschaften. Investieren Sie in positive Emotionen. Seien Sie dabei stets genauso transparent und klar, wie es eine Krise erfordert. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Es geht nämlich nicht um emotionales Branding, sondern um emotionale Beziehungen. Die sind neben der Kreativität jetzt unsere wichtigste Ressource.

Dieser Kommentar ist zuerst in der April-Ausgabe (04/2020) des prmagazins erschienen.

Die prmagazin-Ausgabe 04/2020 – darin unter anderem:

"Wie ein Flugzeug, das nicht landen kann": Holger Wormer von der TU Dortmund über Medien und Kommunikation in der Corona-Krise.

Bilanzpressekonferenzen 2020: Ab März verlegten Unternehmen ihre Jahres-PKs reihenweise ins Netz. Eine Blaupause für die Zeit nach der Krise?

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