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Ausgabe 10/2019

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Detailinformationen

Autor

Benjamin Minack

Geschäftsführer ressourcenmangel, Präsident Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA)

verfasst am

10.10.2019

im Heft

10/2019

Schlagworte

Benjamin Minack, ressourcenmangel, Gesamtverband Kommunikationsagenturen, GWA, Kommunikationsbranche

Wider die Lautsprecher

Erst denken, dann reden

Unser neuer Kolumnist Benjamin Minack wünscht sich von der Kommunikationsbranche mehr Nachdenklichkeit und Analyse – und weniger Hyperventilieren. Seine Auftaktkolumne veröffentlichen wir hier ausnahmsweise komplett.


Benjamin Minack, Geschäftsführer der Agentur ressourcenmangel und Präsident des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA)


Was haben billige Bluetooth-Boomboxen und Politiker vom rechten Rand gemeinsam? Sie sind laut, aber es fehlt ihnen an Zwischentönen und Feindynamik. Und das ist gewollt so: Wer „direct to ear“ oder gar „in your face!“ kommuniziert, der ist durchsetzungsfähig.

Dass in all dem Getöse akustische wie inhaltliche Pluralität vollständig untergehen, wird billigend in Kauf genommen. Im Ergebnis gibt’s statt Musik nur eine stumpf hervorquellende Bassdrum und statt Argumenten populistische Phrasen. Während wir verächtlich mit dem Finger auf Boomboxen und menschgewordene Lautsprecher zeigen, verhalten wir uns doch auch selbst so, bedienen uns ähnlicher Stilmittel: Vereinfachung, Zuspitzung, Klischees.

Immer dann geraten wir branchenweit ins schrille Hyperventilieren, wenn es den einen neuen Kanal, das eine neue Format, den wahnsinnsintellektuellen Überbau für unsere Arbeit gibt. Dann kann nur das eine richtig sein. Agentur und Kunde müssen jetzt ganz schnell anfangen, über Haltung, den Greater Purpose, das Why, Corporate Influencer, Influencer, Tik Tok, Podcasts und – ja, das gab es auch mal – Content Marketing und allgemein die digitale Transformation zu reden, nicht nachzudenken.

Das jeweils neueste kommunikative Heilsversprechen muss schnell noch ins Team und ins Budget gepresst werden. Besser zu 80 Prozent richtig gemacht als gar nicht. Das der digitalen Arbeitswelt entstammende agile Arbeiten und seine headline-artigen Leitsätze verführen leider allzu oft zum genau gegenteiligen Verhalten. „Fail fast and early“ meint nicht etwa, dass man einfach nur aufhören muss, wenn etwas nicht wie gewünscht funktioniert.

Vergessen wird der wichtige Nachsatz „forward“. Eine eigentlich gute Idee soll schnell optimiert, performanter gemacht werden – nicht ganz verschwinden. Dem voraus gehen intensive Gedanken darüber, ob überhaupt mit der Arbeit begonnen werden soll und inwieweit das der Gesamtstrategie dienlich ist.

Die große Kunst des Weglassens, des Verneinens, des Fokussierens muss wieder neu gelernt werden. Das ist kein Plädoyer für allzu langes Nachdenken oder gar Stillstand und Aussitzen. Es ist der Wunsch nach mehr guter Analyse, Strategie, die ihren Namen verdient, nach Zwischentönen, für ein lineares Frequenzband ohne Tiefenbetonung, für Stereo statt Mono.

Vielleicht senden dann ein paar Podcasts weniger einsam vor sich hin, und der Purpose hat wieder mehr Ruhe beim nachhaltigen Wachstum.

Die prmagazin-Ausgabe 10/2019 – darin unter anderem:

Die Standhafte: Stefanie Hansen hat sich bei dem Mineralölkonzern BP Europa in zwanzig Jahren an die Spitze gearbeitet.

KI-Trenderkennung: Auch klassische Medienbeobachter nutzen verstärkt intelligente Crawler und Trendanalyse-Tools mit Künstlicher Intelligenz.

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