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Kolumne: Der Netzwelterklärer

Würden Sie einem Managementberater Ihre Firma anvertrauen?

Es gibt Marketingprofessoren, die gute Marketer sind. Bestimmt. Und es gibt Managementberater, die gute Manager sind. Kann sein. Aber das eine hat mit dem anderen nicht wirklich viel zu tun.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

Nur im Bereich Online-Kommunikation scheint es ausgemachte Sache zu sein, dass man praktische Brillanz vor allem da annehmen kann, wo es laut und lehrend zugeht. Vor allem zu Social Media sind in diesem Jahr, habe ich den Eindruck, so viele Fortbildungsveranstaltungen und Konferenzen aufgelegt worden wie nie.

Nun habe ich nichts gegen Konferenzen oder Fortbildungen oder gar gegen deren Anbieter. Ist ja auch ein valides Geschäftsmodell, wenn es funktioniert. Und geschäftlichen Erfolg gönne ich zwar nicht jedem, aber vielen. Und wenn es Leute gibt, die partout ihr Geld dafür ausgeben wollen, dass sie hinterher ihren Kunden oder ihrem Chef sagen können, sie hätten sich jetzt mit diesem Socialdings beschäftigt und kennen das Prisma und Kryptonite und Dell und Walther und Kodak und Vodafone und so, dann finde ich das auch nicht an sich problematisch. Denn irgendwie muss man ja nachweisen, dass man noch am Puls der Zeit ist. Doof wird es nur, wenn das Auswirkungen auf den Job hat.

In den ersten sechs, sieben Jahren Social Media, so etwa ab 2003/2004, hat sich eine Klasse der Beraterberater herausgebildet. Mit einigen Konstanten, immer mal mit Zu- und Abgängen, mit einigen alten Bekannten, die nach E-Mail-Marketing- dann auch Social-Marketing-Gurus wurden, mit jungen Wilden und den üblichen zwei, drei Skeptikern. Das war auch logisch, denn diejenigen, die damals schon erkannten, dass hier etwas auf uns zukommt, konnten von Umsetzung noch nicht leben. Denn die Kunden waren zwar sehr interessiert, aber eben nur interessiert.

Heute ist das anders. Gleichzeitig sind die Angebote immer gleicher Fortbildungen explodiert. Was eine neue Gruppe von Beraterberatern auf den Plan gerufen hat: Die nur noch Berater beraten und lehren und schulen und reden. Denn – das wird denen aufgefallen sein, die das schon länger beobachten – viele der „Evangelisten“ der ersten Jahre treten da sehr viel weniger, einige auch gar nicht mehr auf.

Ich denke, das hat einen ganz einfachen Grund: Die haben dafür keine Zeit mehr, denn die machen. So wie es nur sehr wenige Manager und Unternehmer gibt, die im Kongresszirkus auftreten – aber sehr viele Managementberater, für die es ein wichtiges Marketingtool ist. Und so sind wohl auch die meisten Konferenzen und Fortbildungen zu beurteilen: Hier kann ich, wenn ich weiß, wie es geht, hin und wieder einige andere treffen und mich mit ihnen jenseits des Büroalltags unterhalten und austauschen. Aber lernen? Im Grunde ist es eine große und wunderbare Fortbildungssimulation inklusive Business-Pitch.

Mir fällt genau eine Schulungseinrichtung zum Thema Kommunikation im modernen Internet ein, die ich Kollegen und Kunden guten Gewissens empfehlen kann. Bei nahezu allen anderen ist der Erkenntnisgewinn geringer, als drei Stunden mit offenen Augen durchs Internet zu flanieren.

Nur eins ärgert mich, wenn auch nur wenig, weil es meine Auftragslage nicht tangiert. Es tut mir leid, dass diesen nur auf Veranstaltungen brillierenden Beraterberatern Projekte anvertraut werden, hinter denen andere dann später aufräumen müssen.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (41) berät seit 2004 Unternehmen und Marken auf ihrem Weg in die Social Media. Er ist einer der führenden Strategieberater mit dem Schwerpunkt Social Media, für die Internetworld Business einer der „5 People to Watch in PR“ 2011. Achtung, für die er als Management Supervisor Digitale Strategie tätig ist, gehört für die Absatzwirtschaft zu den Top 5 Social Media Agenturen. 2006-2009 war er Head of Social Media Europe bei Edelman.

Blog: http://haltungsturnen.de
Lifestream: http://luenenbuerger.de
Twitter: http://twitter.com/luebue

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